Flucht nach vorn: Der französische Einzelhändler wechselt nach sechs Gewinnwarnungen in kürzester Zeit seine Spitze aus. Ab Sommer soll Branchenveteran Georges Plassat den strauchelnden Konzern aus der Krise führen.
Carrefour
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Beim französischenEinzelhändler
Carrefour soll ab Sommer der 62-jährige Branchenveteran Georges Plassat den glücklosen Firmenchef Lars Olofsson ablösen. Dringend gesucht ist ein zeitgemäßes Konzept für die ins Hintertreffen geratenen Großmärkte. Eine Zerschlagung, über die zuletzt immer öfter spekuliert wurde, ist Experten zufolge mit der Personalie vom Tisch. Der Franzose genießt den Ruf eines harten Sanierers mit langjähriger Expertise im französischen Einzelhandel. Er kommt vom heimischen Händler Vivarte, zu dem unter anderem die Damenmode-Marke Kookai gehört.
Plassat soll im April zunächst als Vorstand für das operative Geschäft zu
Carrefour stoßen, teilte das Unternehmen am Montag mit. Bei der Aktionärsversammlung am 18. Juni werde er dann als Firmenchef und Vorsitzender des Verwaltungsrates installiert. Olofsson ist seit Januar 2009 Carrefour-Chef und hat zuletzt Dauer-Negativ-Schlagzeilen produziert. Erst vergangene Woche musste
Carrefour bekanntgeben, dass der Jahresgewinn voraussichtlich um ein Fünftel sinken wird.
Größtes Problem für die Supermarktkette und weltweite Nummer Zwei nach
Wal-Mart aus den USA ist, dass das Konzept der Großmärkte nicht mehr aufgeht. Zu teuer, zu wenig Wachstum, bringen es Experten auf den Punkt. Die Verbraucher wollen zunehmend schnell und wohnortnah einkaufen oder bestellen einfach per Mausklick im Internet - zum besten Preis. "Das Geschäftsmodell von
Carrefour ist zunehmend mangelhaft", sagte Natalie Berg, Analystin von Planet Retail.
Experten setzen darauf, dass die neue Führung die Großmärkte verkleinert, die Preise senkt und somit die in der Schuldenkrise sparsam gewordenen Einkäufer zurückgewinnt. Olofssons Antwort auf die seit längerem sinkenden Umsätze war im Wesentlichen das Programm "
Carrefour Planet": eine kostspielige Überarbeitung der großen Verbrauchermärkte, das bislang nicht den erwünschten Erfolg gebracht hat und angesichts der jüngsten Geschäftszahlen vermutlich schon im März auf den Prüfstand kommt.
Mann für den Umbau
Dem französischen Einzelhandel bläst der Wind besonders scharf ins Gesicht. Plassat ist an dieses raue Umfeld gewöhnt. Er arbeitete 14 Jahre lang beim Carrefour-Rivalen Casino, zudem zwei Jahre bei
Carrefour Spanien und kam 2000 zu Vivarte. Er bringt also umfassende Erfahrungen mit. Olofsson dagegen sammelte vor seiner Karriere bei
Carrefour lediglich Marketing-Know-How beim Schweizer
Nestle -Konzern. "Die Ernennung von Plassat sollte als großer Gewinn für
Carrefour verbucht werden", sagte Expertin Berg. "Er ist ein bewährter Einzelhandelsmanager mit der für
Carrefour so wichtigen Erfahrung im 'Non-Food'-Bereich."
Auf Plassat wartet vermutlich die schwierigste Aufgabe seiner bisherigen Karriere. Analysten vergleichen
Carrefour mit einem sinkenden Schiff, das Plassat von Anfang an alles abverlangen werde. "Es gibt keinen Zweifel, dass Plassat dieses Jahr vor einer großen Herausforderung steht", sagte Berg.
Plassat gilt als charismatisch, steht aber nicht gern in der Öffentlichkeit. Der Opernfan und Vater dreier Kinder hat sich vor allem durch die Sanierung der Schuhmarke Andre in Frankreich einen Namen gemacht. Die Kürzungen und Stellenstreichungen dort brachten ihm allerdings auch den Spitznamen "Der Reiniger" ein. Sein harter, aber erfolgreicher Kurs hat ihm denn auch das Wohlwollen der Großaktionäre von
Carrefour eingebracht, allen voran von Blue Capital. Dahinter stehen der reichste Mann Frankreichs, Bernard Arnault, und der US-Finanzinvestor Colony Capital. Blue Capital hält 16 Prozent an
Carrefour.
Analysten werten die Entscheidung für Plassat daher ganz klar auch als Entscheidung der Großaktionäre gegen eine Zerschlagung des Konzerns. "Plassat ist der Mann für den Umbau", sagte ein Analyst. Berichte über eine bevorstehende Ablösung Olofssons hatten bereits am Donnerstag die Carrefour-Aktien nach oben getrieben. Am Montag nahmen Anleger die Bestätigung dann zum Anlass, realistisch auf die Situation zu blicken. "Die Hoffnungsrally ist vorerst vorbei", sagte ein Händler.
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