Abb will für 3,9 Mrd. Dollar die auf Niederspannungsprodukte spezialisierte Thomas & Betts erwerben. "Die Übernahme ist ein weiterer großer Schritt auf dem Weg zu unserem Ziel, unsere Präsenz auf dem wichtigen nordamerikanischen Markt auszubauen", sagte ABB-Chef Joe Hogan am Montag.
Die Aktionäre sollen 72 Dollar je Aktie in bar erhalten - das entspricht einem Aufschlag von gut 24 Prozent zum Schlusskurs vom Freitag. Der Verwaltungsrat von Thomas & Betts hat die Übernahme bereits durchgewinkt, die Zustimmung der Aktionäre steht noch aus. "Das ist der richtige Zeitpunkt für diese Transaktion. Ich bin fest davon überzeugt, dass
ABB der richtige Partner für unseren Weg in die Zukunft ist", sagte Thomas & Betts-Chef Dominic J. Pileggi.
Mit dem Zukauf steigt
ABB nach eigenen Angaben zu einem der größten Anbieter von Niederspannungsprodukten wie Verbindern, Kabelkanälen und Armaturen in Nordamerika auf. Vor allem durch Einsparungen im Einkauf rechnet der
Siemens -Konkurrent ab 2016 mit jährlichen Synergieeffekten von rund 200 Mio. Dollar. Im ersten Jahr nach Abschluss des Zukaufes - der für Mitte 2012 erwartet wird - soll sich die Transaktion positiv auf das Ergebnis auswirken.
ABB-Chef Hogan setzt schon seit Jahren auf Zukäufe. Dabei steht für die Schweizer vor allem die Stärkung ihrer Position in Nordamerika im Fokus. Dort hatte
ABB zuletzt unter anderem den US-Industriemotorenhersteller Baldor für mehr als vier Mrd. Dollar und das US-Softwareunternehmen Ventyx für mehr als eine Milliarde Dollar übernommen. In Asien und Lateinamerika beansprucht der Konzern bereits die Marktführerschaft vor den angestammten Rivalen wie
Siemens,
GE und Schneider für sich. Hogan zeigte sich offen für weitere Zukäufe: "Wir haben die Munition für weitere Übernahmen", sagte er in einer Telefonkonferenz. Derzeit stehe aber nichts unmittelbar bevor.
Analysten bewerteten die Übernahme von Thomas & Betts positiv. Der Kaufpreis sei moderat, die Produkte der beiden Firmen ergänzten sich zum größtem Teil, erklärten die Experten der Zürcher Kantonalbank. Die Analysten von Kepler finden die Übernahme dagegen eher teuer, aus strategischer Sicht aber sinnvoll. Nach Einschätzung der Analysten von Vontobel ist erhebliches Synergiepotenzial vorhandeln. Der Gewinn je Aktie dürfte sich durch die Transaktion 2013 nach Abschreibungen schätzungsweise um zwei bis drei Prozent erhöhen, so Vontobel.
Für die Übernahme hat sich der Schweizer Konzern eine voll gezeichnete Überbrückungsfinanzierung von
Bank of America
Merrill Lynch über vier Mrd. Dollar gesichert. Diese soll über Barmittel und die Ausgabe von Anleihen zurückbezahlt werden.
Thomas & Betts mit Hauptsitz in Memphis im US-Bundesstaat Tennessee beschäftigt rund 9400 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 2,3 Milliarden Dollar und einen Nettogewinn von gut 190 Mio. Dollar.
ABB kam im US-Niederspannungsmarkt bislang auf einen Umsatz von 240 Mio. Dollar.
Das Geschäftsfeld Niederspannungsprodukte ist das profitabelste von
ABB mit einer operativen Marge von 19,9 Prozent im dritten Quartal 2011. Derzeit kommen noch 80 Prozent der Umsätze in dem Bereich aus China und Europa. "
ABB bieten sich durch die Übernahme einmalige Wachstumschancen auf dem für uns weitgehend noch unerschlossenen nordamerikanischen Markt für Niederspannungsprodukte", sagte der Leiter der Sparte, Tarak Mehta. Durch die Zusammenlegung der Sortimente und die Erweiterung des Vertriebsnetzes verdoppele sich der für
ABB relevante Niederspannungsmarkt in Nordamerika auf rund 24 Milliarden Dollar.
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