Neue Abschreibungen bei der Tochter Leighton und lukrative Abfindungspakete für ehemalige Vorstandsmitglieder haben den Baukonzern
Hochtief 2011 tiefer in die roten Zahlen gedrückt als erwartet. Der Essener Konzern erwarte vor Steuern ein Minus von rund 130 Mio. Euro, teilte das Unternehmen mit.
Bislang hatte der Konzern mit einem Verlust im niedrigen zweistelligen Millionenbereich gerechnet. Der Verlust nach Steuern beläuft sich statt der bisher prognostizierten 100 auf rund 160 Mio. Euro. Ob die Anteilseigner wie Großaktionär ACS für 2011 mit einer Dividende rechnen können, blieb unklar.
Über eine Ausschüttung entschieden die Hochtief-Gremien, sagte ein Hochtief-Sprecher. Seine Ziele für 2012 bestätigte Hochtief: Es werde weiterhin ein operativer Gewinn leicht unterhalb der Marke des Rekordjahres 2010 erwartet.
"Wir schließen damit ein Jahr ab, in dem wir viele Veränderungen und Altlasten verarbeitet haben", sagte Vorstandschef Frank Stieler das Jahr 2011.
Hochtief hatte sich im vergangenen Jahr nach langer Abwehrschlacht ACS geschlagen geben müssen - der spanische Baukonzern hatte die Mehrheit der Anteilsscheine übernommen. Zahlreiche Vorstände hatten daraufhin von einem Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht, das im Fall eines Eignerwechsels einen finanziell lukrativen Rückzug ermöglicht.
Ex-Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter sowie die Vorstände Peter Noe, Burkhard Lohr und Martin Rohr warfen das Handtuch. Aus der alten Vorstandsriege blieb nur Stieler übrig - der im vergangenen Mai zum Konzernchef aufrückte. Der "Gesamtbetrag für Aufwendungen durch ausgeübte Sonderkündigungsrechte ehemaliger Vorstandsmitglieder aufgrund des Kontrollwechsels" sei im vierten Quartal auf 35 Mio. Euro angestiegen, teilte
Hochtief mit.
Auch die Krise um das hoch verschuldete Griechenland ging nicht spurlos an
Hochtief vorbei. Der Konzern verbuchte im vierten Quartal Wertberichtigungen auf Mautstraßenprojekte in dem EU-Staat sowie in Chile in einer Höhe von rund 90 Mio. Euro. Leighton hatte unter anderem Abschreibungen auf Projekte in Dubai gemeldet.
Stieler kann das neue Jahr indes mit prall gefüllten Orderbüchern in Angriff nehmen. Der Auftragsbestand sei zum Jahresende auf rund 48 Mrd. Euro angestiegen, teilte
Hochtief mit. Zum Ende des dritten Quartals 2011 waren es noch rund 44 Mrd. Euro. Der operative Gewinn solle im laufenden Jahr leicht unter den Werten von 2010 liegen, hieß es weiter. Damals hatte
Hochtief ein Ergebnis vor Steuern von 756,6 Mio. Euro sowie einen Konzerngewinn von 288 Mio. Euro verbucht. Die Aktien verloren am Morgen rund 2,65 Prozent. ACS-Anteilsscheine rutschten leicht ins Minus.
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