Fickel

Karl Fickel Cloud-Computing - alles aus der Wolke

[10:40, 26.10.11]


Keine Mails, kein Messenger, kein Internet: 70 Millionen Blackberry-Nutzer mussten sich im Oktober unfreiwillig in Abstinenz üben. Serverprobleme bei dem Smartphone­hersteller RIM waren der Grund. Der Aufschrei war groß. Zu sehr ist man daran gewöhnt, jederzeit erreichbar zu sein und überall auf Mails und Dateien zugreifen zu können. „Always on“ erreicht durch Cloud-Computing eine neue Dimension. Statt auf Computern lagern Dienste und Daten in der Wolke und können von einem stationären PC, einem Smartphone oder einem Tablet-PC aus abgerufen werden. Einzige Voraussetzung zur unbegrenzten Mobilität ist ein Internetzugang.


Firmen können so ihre IT-Kosten deutlich senken, und gleichzeitig steigt die Flexibilität. Sind IT-Dienste bald so flexibel nutzbar wie Wasser und Strom? Das jedenfalls versprechen die Anbieter von Cloud-Services. Dahinter steht die Idee, sämtliche IT-Leistungen flexibel über ein Netzwerk bereitzustellen. Das geschieht über virtuelle Maschinen, die sich je nach Bedarf und Auslastung in ihrer Speicher- und Prozessorausstattung anpassen. Der Vorteil: Abgerechnet wird nur der tatsächliche Verbrauch. Der große Fixkostenblock wird zur variablen Größe. Die Rechenkraft aus der Wolke ist daher wesentlich skalierbarer als die gewöhnliche IT-Infrastruktur.

Unternehmen können die Cloud in vielerlei Hinsicht nutzen: Es können Rechenkraft und Datenspeicher, ganze Betriebssysteme oder auch Softwarepakete gemietet werden. Dabei ist Cloud nicht gleich Cloud: Private Clouds nutzen die Cloud-Technologie über firmeninterne Intranets. Public Clouds erreicht man dagegen über das Internet. Beide Formen können auch gemischt genutzt werden, um bei Auslastung einer Private Cloud zusätzliche Kapazitäten einer Public Cloud zu nutzen.  Amazon,  Microsoft, Google oder Salesforce gehören neben weiteren Marktteilnehmern sicher zu den größten Anbietern dieser IT-Innovation. Laut Studien sollten die Investitionen deutscher Unternehmen in Cloud-Dienstleistungen von 2010 bis 2015 im Schnitt über 40 Prozent im Jahr wachsen. Liegt das Marktvolumen heute noch bei rund 1,1 Mrd., so dürfte es bis 2015 allein in Deutschland auf etwa 8,5 Mrd. Euro wachsen.

An diesem Wachstum sind nicht nur die großen Player, sondern auch viele kleinere Firmen beteiligt.  United Internet beispielsweise stellt das technische Back-up für die Cloud-Klassiker im Softwarebereich Web.de und GMX bereit und arbeitet bereits an einem Cloud-Angebot für Firmenkunden. Softwareentwickler wie die  Software AG oder die unabhängigen Betreiber von Rechenzentren wie die Telecity Group treiben die Entwicklung des Cloud-Marktes an. Das Hauptgeschäft von Rechenzentrenbetreibern besteht darin, Gebäude mit der benötigten Infrastruktur auszustatten. Ausreichende Internetkonnektivität und eine Stromversorgung, die die Größenordnung mancher Kleinstadt übersteigt, sind die Hauptanforderungen an einen Anbieter. Manchmal braucht eine gute Idee den richtigen Zeitpunkt, um sich durchzusetzen – die virtuelle Wolke hat es nach knapp zehn Jahren geschafft. Cloud-Computing als innovative IT-Lösung hat nun auch den Weg an die Börsen gefunden und ist für viele Investoren durchaus interessant. Aber, wie das Beispiel Blackberry zeigt, auch technische Innovationen sind nicht gefeit vor zeitweiligen Ausfällen.


KARL FICKEL machte sich einen Namen als Neuer-Markt-Fondsmanager. Im Oktober 2000 gründete er mit vier weiteren Partnern das Investmenthaus Lupus alpha, das sich auf Small und Mid Caps konzentriert.

Für BÖRSE ONLINE beschreibt er den Markt aus der Sicht eines Anlageprofis.



 



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© 2011 boerse-online.de, © Illustration: Foto: Charly Kurz

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