Zehn, 20 oder 50 Euro? In den vergangenen Wochen geisterten etliche Zahlen umher, wie viel der Atomausstieg einen Haushalt im Monat kosten wird. Ausschlaggebend ist nicht nur der Strompreis, sondern auch der unterstellte Verbrauch: Denn in vielen Haushalten schlummern Einsparpotenziale im zweistelligen Prozentbereich. Steigt der Preis pro Kilowattstunde, sollte deshalb das Thema Energieeffizienz noch mehr in den Fokus von Herstellern und Verbrauchern rücken. Dabei geht es nicht nur um klassische Stromfresser wie Backofen oder Kühlschrank, deren Effizienzklasse bereits das EU-Label anzeigt. Bei vielen Elektrogeräten geht Strom unbemerkt auf den letzten Kabelmetern verloren. Grund dafür ist, dass sie mit weniger als den üblichen 230 Volt betrieben werden. Wenn das Netzteil des Laptops die Füße wärmt, bedeutet das nicht selten einen Abwärmeverlust von über 30 Prozent. Deutlich höhere Wirkungsgrade verspricht eine neue, von
Infineon entwickelte Generation von Netzteilen auf Siliziumkarbid-Basis. Diese kommen bereits in großen Serverfarmen zum Einsatz und erzielen Wirkungsgrade von 90 Prozent und mehr. Steigende Strompreise könnten Energieoptimierung aber auch für andere Anwendungen der IT attraktiv machen.
Einen ähnlich großen Anteil am Stromverbrauch hat, mit knapp zehn Prozent, die Beleuchtung. Studien zeigen: Über die Wahl des Leuchtmittels, die Optimierung der Vorschaltgeräte und tageslichtabhängige Dimmung ließe sich der Verbrauch um 80 Prozent reduzieren. Für Anleger gibt es die Möglichkeit, entlang der Wertschöpfungskette zu investieren: entweder direkt in Hersteller innovativer LED-Technik wie
Philips, Samsung oder Zumtobel oder in Lieferanten vorgeschalteter Elektronik wie
Aixtron. Wer mittelfristig mit steigenden Strompreisen rechnet, sollte auch einen Blick auf den größten Einzelverbraucher werfen: Jede zweite Kilowattstunde fließt in den Betrieb von Elektromotoren. Ob in den Triebwagen der Deutschen Bahn, in Geldautomaten oder Handys – überall kommen sie zum Einsatz. Vor allem kleinere Motoren sind dabei im hohen Maße ineffizient. Gerade im industriellen Bereich, in dem die Anschaffungskosten oft nur einen Bruchteil der Betriebskosten ausmachen, eröffnet sich ein vielversprechender Markt. Daran verdienen könnten Unternehmen wie
ABB oder
Siemens, die sogenannte IE4-Motoren entwickelt haben, die sehr effizient arbeiten. Gegenüber aktuellen Modellen bieten sie ein Einsparpotenzial von bis zu 15 Prozent.
Das restliche Drittel des produzierten Stromes, das nicht für Computer, Beleuchtungssysteme oder Antriebe genutzt wird, entfällt auf die Gewinnung von Wärme. Entweder in Form industrieller Prozesse oder zur Raumheizung. Besonders mit innovativen Heizkonzepten ließe sich viel Strom sparen. Einen Schritt in diese Richtung hat EnBW gemacht. Der drittgrößte deutsche Energiekonzern bietet eine neuartige Umwälzpumpe an, die ihre Leistung dem aktuellen Heizbedarf anpasst. Auf dem Weg zum Heizkörper werden so bis zu 90 Prozent der Energie eingespart. Theoretisch könnte der Atomausstieg in vielen Haushalten wohl energiekostenneutral erfolgen. Effizienzsteigerungen allein werden aber nicht ausreichen, es muss ein Umdenken beim Energiekonsum stattfinden. Höhere Preise könnten Verbraucher in diese Richtung lenken.
KARL FICKEL machte sich einen Namen als
Neuer-Markt-Fondsmanager.
Im Oktober 2000 gründete er mit vier
weiteren Partnern das Investmenthaus
Lupus alpha, das sich auf
Small und Mid Caps konzentriert.
Für BÖRSE ONLINE
beschreibt er den Markt aus der
Sicht eines Anlageprofis.
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