Gottfried Heller ist Senior Partner der Fiduka-Depotverwaltung
in München. Sein Gespür für Finanz- und Wirtschaftstrends hat
dem ehemaligen Partner der Börsenlegende André Kostolany
einen exzellenten Ruf in der Branche eingetragen.
In BÖRSE ONLINE
schreibt er über die Finanzmärkte.
Für Anleger fiel die Ernte in diesem Jahr meist recht mager aus: spärliche Renditen nahe null bei Festgeld oder Festverzinslichen, Gewinne bei Aktien fast durchweg nur im einstelligen Bereich. Von den Hauptbörsen schnitt der DAX mit über zehn Prozent noch am besten ab. Eine drohende Pleite Griechenlands und möglicherweise Portugals oder Spaniens verhagelte aber auch in Deutschland eine bessere Ernte. Eine aufkommende Debatte, ob es wieder eine Währungsreform geben könnte, tat ein Übriges. Die Anleger stießen den Euro ab und flüchteten in sichere Häfen: in Gold, den Dollar, den Schweizer Franken und in erstklassige deutsche und US-Staatsanleihen. US-Fed-Chef Ben Bernanke hat jüngst angekündigt, dass er eine weitere Lockerung der Geldpolitik beabsichtigt und durch den Ankauf von Anleihen die Liquidität erhöhen will. Auch die Europäische Zentralbank muss mit Blick auf die schwachen Euro-Mitglieder eine lockerere Geldpolitik betreiben, als dies für stärkere Länder wie Deutschland geboten wäre. Japan versucht überdies durch Interventionen der Notenbank, den Yen gegenüber dem Dollar abzuschwächen. Dadurch wird die schon bestehende weltweite Geldschwemme noch vergrößert. Das ist kein Umfeld für Deflation, sondern für Inflation. Solange aber die Wirtschaft so schwach ist, besteht keine akute Inflationsgefahr.
Wir befinden uns an einem geschichtlichen Wendepunkt: Die Verschuldung der Industrieländer ist an ihre Grenzen gestoßen. Sparen ist das Gebot der nächsten Jahre. In Großbritannien wurde jetzt das größte Sparpaket der Nachkriegszeit in Höhe von rund 90 Mrd. Euro beschlossen, was den Verlust von 500000 Arbeitsplätzen bedeutet. In der ganzen Euro-Zone sind Sparprogramme begonnen worden. Die Europäer können sich den großzügigen Sozialstaat nicht mehr leisten. Ganz anders ist die Situation in den Schwellenländern: Sie haben bislang keinen Sozialstaat, aber auch kaum Schulden. Die Staatsschulden in Prozent des Bruttosozialprodukts betragen bei ihnen im Durchschnitt nur 33 Prozent, bei den Industrieländern aber 90 Prozent. Während China gerade die Zinsen angehoben hat, um das rasche Wachstum zu zügeln, haben die Industrieländer sie praktisch auf null gesenkt.
Das Wachstum der Weltwirtschaft wird für dieses Jahr auf 4,8 Prozent geschätzt, für nächstes Jahr auf nur noch 4,2 Prozent. Wenn das Wachstum nachlässt, ist die Inflation kein Thema, und die Zinsen bleiben niedrig. Magerkost also für Zinshungrige. So unattraktiv Anleihen sind, so attraktiv sind dagegen Aktien: Denn die Bewertungsfaktoren sind sehr günstig; das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des DAX beträgt nur 11, für 2011 geschätzt nur 10. Der Gewinntrend ist weiter steigend, wenn auch bei deutlich geringerer Dynamik. Infolge von Abstinenz der Anleger ist die Markttechnik noch positiv. Und die Dividendenrendite von Aktien ist höher als die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen.
Doch was sind die Risiken? Die Unsicherheit der Anleger ist immer noch sehr groß, und daher neigen sie auch häufiger als früher zu Gewinnmitnahmen. Das Finanzsystem ist zudem weiterhin fragil. Insgesamt ist mit größerer Volatilität zu rechnen. Vieles spricht dafür, dass wir eine Inflation bekommen werden, aber zunächst nicht bei den Güterpreisen, sondern bei den Vermögenswerten – also gute Ernteaussichten für Besitzer von Sachwerten. Eine Geldanlage, die vor Inflation und Währungsverfall schützt, sollte vorwiegend aus Sachwerten, das heißt Immobilien und Aktien, bestehen.

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