Piontke

Manfred Piontke DAX könnte bald seine Trading-Range verlassen

[10:55, 29.09.10]



MANFRED PIONTKE ist Mitinhaber des Fondshauses Frankfurt Performance Management (FPM), das er im Oktober 2000 gemeinsam mit Martin Wirth und weiteren Ex-Kollegen gründete. Zuvor war er als Experte für deutsche Aktien bei der  Deutschen Bank tätig.

In BÖRSE ONLINE analysiert er Aktien- und Börsentrends.


Der deutsche Aktienmarkt befindet sich weiter in einer Seitwärtsbewegung, die mit den DAX-Ständen 5700 als Unter- und 6400 als Obergrenze beschrieben werden kann. Diese Börsenentwicklung hält schon geraume Zeit an, obwohl sich die Lage sowohl gesamtwirtschaftlich als auch bei den Unternehmen deutlich und in überraschend starkem Maß verbessert hat. Insbesondere die von den deutschen Unternehmen für das zweite Quartal berichteten Zahlen haben in vielen Fällen positiv überrascht und dies in nahezu allen Branchen. Einige Unternehmen haben zur Jahresmitte schon ihre Gesamtjahresplanung erreicht und mussten diese deutlich anheben. Andere Unternehmen haben im zweiten Quartal wieder ihre Rentabilität aus der Vorkrisen­zeit erreicht. Die Kursreaktionen fielen dagegen bescheiden aus, sodass, wenn man das zweite Quartal aufs Jahr hochrechnet, sich eine vergleichsweise niedrige Bewertung für den gesamten deutschen Aktienmarkt ergibt. Hierfür ist die weiterhin hohe Unsicher­heit der Marktteilnehmer und der Investoren verantwortlich. Diese resultiert aus den Spätfolgen der Finanzkrise und der Verschuldungsproblematik vieler Länder. In den vergangenen Mo­naten hat sich die Situation zwar weiter entspannt, aber als neues großes Thema ist die Befürchtung einer Konjunkturabschwächung gekommen, was die Nachhaltigkeit der guten (Ergebnis-)Entwicklung im zweiten Quartal infrage stellt. Als Maßstab dienen dabei die Frühindikatoren in den USA, die für viele Strategen auf einen Double Dip, einen Rückfall in die Rezession, hindeuten. In ­Verbindung mit dieser Unsicherheit stürmen die Anleger in vermeintlich sichere Häfen wie die zehnjährige Bundesanleihe und Gold. Die Rendite der Zehnjährigen ist infolgedessen auf ein ­unbegreifliches Rekordtief von 2,1 Prozent gesunken.

In Anbetracht der Unsicherheit ist es unverständlich, dass zehnjährige Investments so niedrig bepreist werden. Die Risiken wie Zinsänderungsrisiko und Bonitätsverschlechterung werden außer Acht gelassen. Auch Deutschland ist hoch verschuldet und kann in einem Strudel, der von anderen europä­ischen Staaten ausgeht, mitgerissen werden. Würde man das ­aktuelle Zinsniveau der zehnjährigen Bundesanleihe in ein ­Bewertungsgleichgewicht zum deutschen Aktienmarkt stellen, würde der DAX etwa bei 10000 Punkten fair bewertet sein.

Nach ersten Aussagen der Unternehmen und unseren eigenen Analysen sind auch der Juli und der August bei den deutschen Unternehmen sehr gut verlaufen, sodass nach unserer Einschätzung auch das dritte Quartal von positiven Ergebnisentwicklungen geprägt sein wird. Die aktuelle Lage der börsennotierten deutschen Unternehmen ist offensichtlich besser als die Stimmung bei Strategen und Anlegern. Dies lässt sich auch an der Entwicklung der Gewinnschätzungen der Analysten ablesen, die konti­nuierlich und in erheblichem Maß in diesem Jahr nach oben ­korrigiert wurden. Der Markt notiert aber nur wenig über seinem Niveau vom Jahresanfang. Dass sich diese Situation bald ändern sollte, kann man an den zunehmenden Übernahmen – interna­tional, aber mittlerweile auch in Deutschland beispielsweise bei  Smartrac, der  Deutschen Postbank und  Hochtief erkennen. Die niedrigen Bewertungen locken neue Investorengruppen an wie Private Equity oder industrielle Investoren. Die klassischen Aktieninvestoren wie Versicherungen, Banken, Asset-Manager und Privatanleger folgen meist. Von daher stehen die Chancen gut, dass der DAX bald seine Trading-Range nach oben verlässt.

 



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