Blamage für EADS: OHB ergattert einen weiteren Großauftrag für Satelliten des Galileo-Projekts. Der Luft- und Raumfahrtkonzern geht schon wieder leer aus.
OHB gelingt erneut ein Auftragstriumph gegen die achtmal so große Raumfahrtsparte Astrium des
EADS-Konzerns. Das Bremer Unternehmen hat nach FTD-Informationen die Ausschreibung für weitere acht Galileo-Satelliten gewonnen. Der Auftragswert soll bei 250 Mio. Euro liegen. Damit würde der Preis und die Rendite je Satellit um ein Viertel gedrückt, nachdem
OHB im Januar 2010 bereits den Zuschlag für die ersten 14 Galileo-Seriensatelliten für 566 Mio. Euro erhielt. Auch damals hatte OHB das günstigere Angebot vorgelegt.
Für Astrium bleiben zwei Trostpflaster: Bislang reicht OHB gut 40 Prozent des Auftragswerts an die britische Astrium-Tochter SSTL weiter, die also für OHB im Unterauftrag fertigt. Astrium geht somit nicht leer aus.
Zudem soll nach FTD-Informationen erstmals auch die starke Ariane-Rakete künftig Galileo-Satelliten ins All transportieren. Bislang sind für die ersten zehn Satelliten nur Starts mit der russischen Sojus-Rakete von Kourou in Französisch-Guayana gebucht. Die Ariane-Rakete kann mit einem Start jedoch vier Satelliten ins All befördern; die kleinere Sojus schafft nur zwei. Generalauftragnehmer für den Zusammenbau der Ariane ist Astrium.
Der Zuschlag für OHB und die Ariane-Rakete soll am Donnerstag von EU-Industriekommissar Antonio Tajani verkündet werden. Ein EU-Sprecher und die Firmen wollten im Vorfeld nicht Stellung nehmen.
Die Entscheidungen zeigen, dass die EU-Kommission das um grob zehn Jahre verzögerte Galileo-Navigationssatellitenprojekt beschleunigen will, weil die Ariane schneller mehr Satelliten ins All transportieren kann. Nach derzeitigem Zeitplan dauert es bis 2014, bis erste Navigationsdienste durch Galileo nutzbar sind.
Die Entscheidung zugunsten von OHB ist ein Bekenntnis der EU-Kommission für Wettbewerb und gegen die von der europäischen Weltraumbehörde ESA vertretene Strategie einer bewussten Zwei-Quellen-Beschaffung von OHB und Astrium für die Serien-Satelliten. Zumindest für die ersten vier Galileo-Basissatelliten bekam Astrium den Zuschlag - ohne Ausschreibung.
Für OHB stellt sich die Frage, ob sich der neue Galileo-Auftrag noch rechnet. Zwar wächst der Konzern - 2010 um 40 Prozent auf 453 Mio. Euro Umsatz und 2011 um gut 30 Prozent auf fast 600 Mio. Euro - gleichzeitig sinkt aber die Umsatzrendite.
Navigation aus dem All
Galileo Die Navigationssysteme im Auto nutzen bislang das amerikanische GPS-Satellitennetz. Trotzdem bauen die Europäer ein eigenes Netz auf. Auch das Militär kann es nutzen. 2018 sollen mit 18 Galileo-Satelliten im All erste Dienste funktionieren. Der Endausbau sieht 30 Satelliten vor
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