Der Konzern macht sich auf den Weg zum spektakulärsten Börsengang in der kurzen Geschichte von Internetunternehmen. Das 845 Millionen Mitglieder starke soziale Netzwerk will 5 Mrd. Dollar einnehmen.
Am Mittwoch um 16.48 Uhr Wall-Street-Zeit war es endlich soweit. Die Warterei auf den Moment, in dem Facebook den ersten Schritt an die Börse macht, hat endlich ein Ende. Mark Zuckerbergs soziales Netzwerk, das er am 4. Februar 2004 unter dem Namen "The Facebook" in seinem Zimmer im Harvard-Studentenwohnheim startete, reichte nach US-Börsenschluss den Antrag bei der amerikanischen Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) ein. Facebook gibt damit erstmals auch Einblick in seine mit größter Spannung erwarteten Geschäftszahlen.
Das Börsendebüt, das im Frühjahr erfolgen dürfte, soll den Kaliforniern 5 Mrd. Dollar in die Kasse spülen. Das ist deutlich weniger als die bis zu 10 Mrd. Dollar, mit denen einige besonders elektrisierte Beobachter im Silicon Valley und an der Wall Street gerechnet hatten. Über die Zahl der auszugebenden Aktien ist bisher nichts bekannt. Sollte die Nachfrage wie erwartet besonders stark sein, könnte das Emissionsvolumen gemäß Insidern erhöht werden. Facebook peilt US-Medienberichten zufolge ein deutlich größeres Volumen an und damit einen Börsenwert von nahezu 100 Mrd. Dollar.
Damit würde Facebook einen der 25 größten Börsengänge der Geschichte und das größte Debüt in der zwanzigjährigen Geschichte von Internetunternehmen hinlegen. Der bisherige Rekordhalter
Google sammelte 2004 knapp 1,7 Mrd. Dollar ein. Der deutlich größere Facebook-Rivale hat einen Börsenwert von aktuell 189 Mrd. Dollar.
Ob das Umsatz- und Gewinnwachstum die in den astronomischen Bewertungen gespiegelten Erwartungen erfüllen kann, ist freilich unklar. Wie aus der ersten Version des Börsenprospekts hervorgeht, hat Facebook im jüngsten Geschäftsjahr den Umsatz um 88 Prozent auf 3,7 Mrd. Dollar erhöht. Das entspricht in etwa den jüngsten Schätzungen von Analysten. Was bisher öffentlich nicht bekannt war: die Kalifornier haben schon vor Jahren die Gewinnzone erreicht. Der Nettogewinn konnte 2011 um 65 Prozent auf 1 Mrd. Dollar gesteigert werden.

Obwohl vor allem im Silicon Valley wenige dauervernetzte Unternehmer, Auguren und Risikokapitalgeber sich ihr tägliches Sein - ob geschäftlich oder privat - ohne den konstanten Fluss an Facebook-Updates vorstellen können, ist eine goldene Zukunft keine Selbstverständlichkeit. Der Gang an den Kapitalmarkt ist der bislang größte Test, ob das kalifornische Netzwerk, das immer mehr Gegenwind der weltweiten Datenschützer bekommt, die hoch gesteckten Erwartungen erfüllen kann.
Facebook verdient trotz steigender Werbeerlöse und den von Partnern wie dem Online-Spielehersteller
Zynga entrichteten Anteilen am Verkauf virtueller Güter noch immer wenig Geld mit den Nutzerdaten. Das soziale Netzwerk, dem Nutzer immer mehr und immer persönlichere Informationen anvertrauen, muss bei der Monetarisierung dieser Daten vorsichtig vorgehen. Vergangenes Jahr betrug der Umsatz pro Nutzer 5,1 Dollar. Zum Vergleich: Google verdiente im vergangenen Jahr 27,70 Dollar pro Nutzer.
Facebook hat sich für das Tickersymbol FB, aber noch nicht für eine Börse entschieden. Zwischen der New Yorker Technologiebörse Nasdaq und der rivalisierenden New York Stock Exchange (NYSE) ist ein heftiger Kampf um den Wachstumsmotor von der Westküste entstanden.
Morgan Stanley führt wie erwartet die Konsortialbanken an. Die restlichen Konsortialführer sind JP Morgen,
Goldman Sachs,
Bank of America
Merrill Lynch und
Barclays Capital.
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