Vor dem anstehenden Börsengang äußert sich der Co-Chef der Schnäppchen-Website großspurig zu deren Erfolgsaussichten. In einer neuen Fassung zeigt sich der Prospekt zum Gang aufs Parkett deutlich zurückhaltender.
Groupon hat für Investoren bei der US-Börsenaufsicht SEC ein überarbeitetes Börsenprospekt vorgelegt. Ob der Schnäppchenvermarkter damit auf Beschwerden der SEC reagierte ist nicht klar, allerdings sind einige Passagen deutlich zurückhaltender formuliert als in der ersten Version. Groupon hebt die Risiken stärker hervor und kassiert eine allzu optimistische Aussage von Co-Chef Eric Lefkofsky über Groupons Gewinn nach Veröffentlichung der ersten Fassung.
Groupon zählte bei Web-Investoren bislang neben Zynga und Facebook zu den gefragtesten Unternehmen. Das Startup vermarktet via E-Mail Gutscheine von lokalen Dienstleistern wie etwa Restaurants. Das Unternehmen hat mehr als 1 Mrd. Dollar über zahlreiche Investoren eingesammelt. Über die Börse will Groupon mindestens 750 Mio. Dollar kassieren. Eigner und Banken spekulieren auf eine Unternehmensbewertung zwischen 15 und 20 Mrd. Dollar.
Die erste Version des Börsenprospekts sorgte allerdings für Ernüchterung. Nicht einmal drei Jahre nach der Gründung konnte das Unternehmen zwar im ersten Quartal einen Umsatz von rund 644,7 Mio. Dollar vorweisen, unterm Strich stand jedoch ein Verlust von knapp 146,5 Mio. Dollar.
Das Unternehmen hatte sich über Zukäufe und hohe Werbeausgaben die Marktführerschaft erkauft. Beobachter fühlten sich angesichts dieser Zahlen an das Platzen der ersten Internetblase erinnert. Groupon-Co-Chef Lefkofsky wollte die Befürchtungen indes zerstreuen und wurde wenige Tage nach Einreichen des Prospekts in einem Interview mit den Worten zitiert: "Groupon würde wahnsinnig profitabel sein." Lefkofsky führt das Unternehmen an der Seite von Gründer Andrew Mason und ist gleichsam Investor. Nach den Regeln der SEC dürfen sich aber weder Manager noch Investoren eines Unternehmens vor einer Erstemission öffentlich äußern.
Die Börsenaufsicht will so verhindern, dass Unternehmen vorab unredlich für sich werben. Die neue Version des Börsenprospekts deutet daraufhin, dass die SEC Lefkofskys Interview beanstandete. In einer überarbeiteten Passage heißt es nun, die Aussage gebe nicht die korrekte oder vollständige Ansicht Lefkofskys wider. Potenzielle Investoren sollten sie nicht isoliert betrachten. Stattdessen sollten Anleger ihre Entscheidung über ein Investment ausschließlich auf Grundlage des Börsenprospekts treffen.
Die
Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin hatten unmittelbar vor dem Börsengang 2004 dem Männermagazin "Playboy" ein Interview gegeben. Die SEC hatte sich daraufhin eingeschaltet und an die sogenannte Quiet Period erinnert.
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