Die beispiellose Liquiditätsspritze der Europäischen Zentralbank (EZB) im Dezember zeigt Wirkung: Italien und Spanien zahlten für frische Milliardenkredite am Donnerstag deutlich geringere Zinsen als noch im Dezember. Die Rendite spanischer Dreijahresanleihen ging bei der Auktion in Madrid um fast zwei Prozentpunkte auf 3,384 Prozent zurück. Für Investitionen in italienische Zwölfmonatspapiere forderten Anleger eine Rendite von 2,735 Prozent. Bei der letzten vergleichbaren Auktion hatte das Finanzministerium noch 5,952 Prozent zahlen müssen.
Sinkende Renditen gehen bei Anleihen mit steigenden Kursen einher, signalisieren also eine höhere Nachfrage. Sie wurde vermutlich dadurch beflügelt, dass die Banken dank EZB über große Mengen an Bargeld verfügen. Die Notenbank hatte den Kreditinstituten im Dezember erstmals Kredite mit einer Laufzeit von drei Jahren zur Verfügung gestellt. Mehr als 500 Banken borgten sich damals zusammen 489 Mrd. Euro.
Die italienische Regierung verlangt von der EZB zusätzlich eine kräftige Leitzinssenkung. Der italienische Ministerpräsident Mario Monti beklagte am Mittwoch, dass sein hoch verschuldetes Land "kein Entgegenkommen der EU, etwa in Form einer Senkung des Zinssatzes" erfahre. Er rechne mit Protesten auch gegen die Zentralbank, "wenn es für die Italiener in absehbarer Zeit nicht greifbare Erfolge ihrer Spar- und Reformbereitschaft gibt", sagte Monti der Zeitung "Die Welt".
Draghi wird Monti wohl nicht erhören
EZB-Chef Mario Draghi wird den Warnungen seines Landsmanns zum Trotz den Leitzins auf der Ratssitzung am heutigen Donnerstag wohl unverändert lassen. 33 der 37 von der FTD befragten Ökonomen gehen davon aus, dass die EZB nach zwei Zinssenkungen in Folge eine Pause einlegt.
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