Rom zahlt für einen Zehnjahreskredit eine Rendite von sechs Prozent. Es ist der erste eindeutige Beleg für einen Rückgang der langfristigen Refinanzierungskosten Italiens. Die Aktienmärkte erholen sich dennoch kaum.

Italien bekommt am Finanzmarkt wieder langfristige Kredite zu einem Zinssatz von sechs Prozent. Für Investitionen in zehnjährige Staatsanleihen forderten Anleger bei einer Auktion am Montag eine Rendite von durchschnittlich 6,08 Prozent. Bei der letzten vergleichbaren Emission Ende Dezember musste das Finanzministerium 6,98 Prozent zahlen, im Dezember sogar 7,5 Prozent - den höchsten Satz seit Einführung des Euro.
Die Marke von 6,5 Prozent wird von vielen italienischen Experten als kritisch betrachtet: Sie liegt rund 450 Basispunkte (4,5 Prozentpunkte) über der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen, die wegen ihrer großen Sicherheit europaweit als Maßstab gelten. Irland und Portugal hatten sich Risikoprämien in dieser Höhe nicht lange leisten können und mussten kurze Zeit nach Überschreiten der 450-Punkte-Schwelle unter den Euro-Rettungsschirm flüchten. Allerdings ist umstritten, inwieweit Italien mit den beiden Kleinstaaten vergleichbar ist.
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Neben den Zehnjahrespapieren begab Rom am Montag auch fünfjährige Anleihen und nahm insgesamt 7,5 Mrd. Euro am Markt auf. Nach erfolgreichen Emissionen kurzlaufender Schuldtitel in den vergangenen Wochen ist die jüngste Auktion ein klarer Beleg dafür, dass auch die langfristigen Refinanzierungskosten Italiens sinken. Ihre Entwicklung gilt als Schicksalsfrage für die gesamte Währungsunion. Denn die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone ist zu groß, um unter den Rettungsschirm zu flüchten.
Der
DAX kletterte nach der Auktion um rund 40 Punkte und machte damit einen Teil seiner Verluste wieder wett, notierte im Vergleich zu Freitag aber weiter im Minus. Ähnlich verhielt es sich mit dem italienischen Leitindex
FTSE/MIB.
Überschattet wurde die Auktion von schlechten italienischen Konjunkturdaten: Der Geschäftsklimaindex fiel auf ein Zweijahrestief. Zudem drückte der bevorstehende Schuldenerlass für Griechenland Bankaktien europaweit ins Minus. Der internationale Bankenverband IIF hatte sich am Wochenende mit der griechischen Regierung im Grundsatz auf einen Forderungsverzicht von rund 70 Prozent geeinigt.
Das gute Auktionsergebnis war am Markt weitgehend eingepreist. Nach mehreren Liquiditätsspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) verfügen die Geschäftsbanken derzeit über mehr Bargeld, was die Nachfrage nach Staatsanleihen beflügelt. Die EZB hatte im Dezember erstmals Dreijahreskredite vergeben, mehr als 500 Banken borgten sich daraufhin rund 490 Mrd. Euro bis Ende 2014. Zudem sank am 18. Januar die Mindestreserve, die die Institute als Sicherheit bei der EZB hinterlegen müssen.
Der Anleihestratege Nick Stamenkovic vom Brokerhaus Ria Capital Markets in Edinburgh sagte, vor diesem Hintergrund sei der Rückgang der italienischen Refinanzierungskosten zu erwarten gewesen. "Die EZB-Hilfen tragen aber nicht dazu bei, die grundlegenden Probleme zu lösen", zitierte die Nachrichtenagentur Reuters den Analysten.
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