Jan Holthusen, Leiter des Anleiheresearch der DZ Bank, glaubt, dass die Auktionswoche glimpflich über die Bühne gehen wird - sogar in Griechenland und Italien.
Herr Holthusen, diese Woche
stehen viele Staatsanleiheverkäufe
an. Morgen zum Beispiel will
Griechenland Geldmarktpapiere
loswerden. Wird Athen am Markt
überhaupt noch wahrgenommen?
Jan Holthusen: Die Wahrnehmung des
Landes bei internationalen Investoren
ist beschränkt. Dennoch werden
die Papiere Käufer finden, nämlich die
griechischen Banken. Die können sich
damit bei der Europäischen Zentralbank
(EZB) refinanzieren.
Auch Italien und Spanien geben
neue Staatsanleihen aus. Erwarten
Sie neue rekordhohe Zinsen?
Holthusen: Anleihen mit kurzer Laufzeit
sind kein Problem. Solange der
Drei-Jahres-Tender der EZB läuft,
können die Banken Anleihen kaufen
und sie bei der EZB einreichen, um
sich zu finanzieren. Das war ja der
Sinn der Kreditvergabe durch die EZB.
Und Papiere mit längerer Laufzeit?
Holthusen: Das könnte für Italien
schwierig werden. Das Land kann sich
zwar einige Zeit lang Zinsen von sieben
Prozent leisten, aber die Gefahr
besteht darin, dass es dabei nicht
bleibt. Und im ersten Quartal muss
Italien rund 65 Mrd. Euro an Anleihen
zurückzahlen, hinzu kommt die
Neuverschuldung. Die Auktion kann
zum Wegweiser für die restlichen
Staatsanleiheverkäufe in diesem
Quartal werden. Aber ich denke, dass
die Italiener die Auktion sehr gut
vorbereiten werden.
Auch die Kernländer begeben neue
Anleihen. Wird da alles gut gehen?
Holthusen: Solange die italienische
Versteigerung keine Katastrophe
wird, wovon ich ausgehe, werden
Deutschland, Österreich und die Niederlande
keine hohen Zinsen bezahlen
müssen. Wenn, dann am ehesten
noch Österreich, weil das Land durch
die Probleme in Ungarn stark unter
Druck steht.
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