Die Zahlen versetzen selbst gestandene Anleihehändler der Börse Stuttgart in Erstaunen: Tagesumsätze von mehreren Millionen
Euro sogar am Jahresende, niedrige Geld-Brief-Spannen von 0,2 Prozentpunkten, rege Käufe und Verkäufe. Und all das bei Papieren, von denen fast jeder Großanleger mittlerweile die Finger lässt - griechischen Staatsanleihen.
Doch es sind diese Bonds, die den Stuttgarter Händlern selbst zwischen den Feiertagen noch einmal richtig Arbeit bescherten. Bundesanleihen ausgenommen entfielen derzeit etwa 70 Prozent der Umsätze bei Euro-Staatsanleihen auf Griechenland, teilt die Börse mit. Vor allem Privatinvestoren greifen zu, wie die Höhe der einzelnen Ordersummen zeigt: Nach Angaben der Börse sind Einsätze zwischen 3000 und 10.000 Euro üblich.
Sind die Käufer verrückt geworden? Schließlich steht Griechenland weiter kurz vor der Staatspleite, die Verhandlungen über einen Schuldenschnitt sind in vollem Gange. Großinvestoren wie Frank Hagenstein vom Sparkassen-Fondsanbieter Deka trauen Hellas-Anleihen längst nicht mehr über den Weg: "Das Thema ist aus meiner Sicht passé." Viele Privatanleger aber spekulieren auf das Gegenteil.
Ihr Kalkül: Einigen sich Banken und griechische Regierung auf eine Umschuldung, würde dies nur für die Geldhäuser hohe Verluste auf den Nennwert der Anleihen bedeuten. Kleininvestoren dagegen könnten von dem Schnitt unberührt bleiben und auf die volle Rückzahlung hoffen - eine Megawette mit ungewissem Ausgang.
Scheitert der Schuldendeal, wäre völlig unsicher, wie viel Prozent ihres Einsatzes Anleger zurückerhielten. Gernot Griebling, Leiter Anleiheanalyse bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), sagt darum: "Nur hochspekulative Investoren können sich da herantrauen."
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