Während hoch verschuldete Länder wie Italien unter hohen Refinanzierungskosten ächzen, werden anderen Staaten die Zinsen erlassen. Der Schweiz, den Niederlanden und Dänemark werfen die Gläubiger das Geld geradezu hinterher. Eine Analyse.
Der Begriff Negativzinsen klingt wie ein Widerspruch in sich. Doch es gibt sie tatsächlich: Die Schweiz, die Niederlande und Dänemark erhielten bei ihren jüngsten Schatzwechsel-Auktionen nicht nur zinslosen Kredit, sondern zusätzlich zum Darlehen sogar noch eine Prämie. Investoren bezahlten also dafür, den Regierungen Geld leihen zu dürfen. Die Renditen von Geldmarktpapieren des Bundes sind am Sekundärmarkt ebenfalls negativ.
Das Phänomen ist aus früheren Krisen bekannt: Nach der Pleite der Investmentbank
Lehman Brothers Ende 2008 war die Nachfrage nach US-Schatzwechseln so groß, dass Washington keine Zinsen zahlen musste. Für die vermeintliche Sicherheit der staatlichen Schuldtitel nahmen die Investoren Verluste in Kauf - im Dezember war das auch in den Vereinigten Staaten erneut zu beobachten. Dieses Mal ist es die
Euro-Krise, die das Vertrauen in die gesamte Finanzbranche erschüttert und Anleger zur Zahlung einer Sicherheitsprämie an den Staat bewegt. Ein Erklärungsversuch.
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