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Bernhard Madoff Eine Knastfreundschaft

[10:59, 09.06.10]


Der Milliardenbetrüger Bernard Madoff scheint sich gut im Gefängnis eingelebt zu haben. Während seine Opfer um ihr Geld bangen, ist er ein Star hinter Gittern – und wird von seinen Mithäftlingen als Robin Hood gefeiert.


An den Tag seiner Ankunft können sich die Mitgefangenen noch lebhaft erinnern. „Es war, als ob der Präsident zu Besuch käme“, sagt ein Häftling. Die Hubschrauber der Fernsehsender hätten über dem Areal gekreist, als Milliardenbetrüger Bernie Madoff vor knapp einem Jahr im Bundesgefängnis der Kleinstadt Butner in North Carolina eintraf. Schnell hätte sich um den prominenten Neuzugang eine Menschentraube gebildet. „Jeder hat versucht, sich bei ihm einzuschleimen“, sagt Ex-Häftling Shawn Evans. Einige hätten sogar um Autogramme gebeten. Doch Madoff lehnte ab: Er fürchtete, sie würden gleich beim Online-Auktionshaus Ebay verhökert.

Jahrelang hatte Madoff die Wohlhabenden mit hohen Renditen gelockt und auch immer pünktlich und reichlich gezahlt – allerdings mit dem frischen Geld anderer Anleger. Der wohl größte Betrüger aller Zeiten hatte die Schönen und Reichen ausgenommen, mehr als 60 Mrd. $ erbeutet – und wird dafür nun im Gefängnis als eine Art moderner Robin Hood gefeiert. „Er nahm Leuten das Geld weg, die reich und gierig waren und noch mehr wollten“, sagt Shannon Hay, ein verurteilter Drogenhändler und Madoff-Mithäftling, der seit Dezember wieder auf freiem Fuß ist.

Das „New York Magazine“ hat mit Hay, anderen ehemaligen Mitgefangenen sowie mit dem Gefängnispersonal und Anwälten gesprochen. Im Knast, so stellt die Zeitschrift in ihrer neuen Ausgabe fest, sei Madoff kein Krebsgeschwür der Gesellschaft. Er werde bewundert für seine Leistungen. Ihn umwehe der Duft des Erfolgs. „Ein Held“, fasste es ein Beobachter zusammen.

Die Opfer von Häftling Nummer 61727-054 warten immer noch darauf, zumindest einen Teil des Geldes zurückzubekommen. Der vom Gericht eingesetzte Treuhänder Irving Picard durchforstet seit Monaten die Hinterlassenschaften Madoffs. Von Letzterem selbst darf er dabei keine Hilfe erwarten. Das zeigt eine Szene, die dem „New York Magazin“ ebenfalls von einem Mitgefangenen zugetragen wurde. „Scheiß auf meine Opfer“, ereiferte sich Madoff demnach auf dem Gefängnisflur, als ihn ein anderer Insasse auf die Betrogenen ansprach. „Ich habe sie 20 Jahre lang getragen, jetzt bekomme ich 150 Jahre dafür.“

Bevor sein Schneeballsystem aufflog, war Madoff ein geschätztes Mitglied der New Yorker High Society. „Er hat immer noch ein großes Ego“, sagt Opferanwältin Nancy Fineman, die kurz nach Madoffs Ankunft im Gefängnis mit ihm gesprochen hat. Auch dort gehört er zur besseren Gesellschaft, soll sich mit anderen prominenten Häftlingen wie dem israelischen Spion Jonathan Pollard angefreundet haben.

Seine Wäsche lässt sich Madoff für 8 $ im Monat von einem anderen Gefangenen waschen, er bezieht regelmäßig seine Zeitungen, spielt Scrabble im Fernsehraum. Seine Leibspeise, Makkaroni mit Käse, kostet im Gefängnisladen 60 Cent, eine Dose seiner geliebten Cola light 45 Cent. Dass ihn ein Mitgefangener krankenhausreif geschlagen haben soll, wie das „Wall Street Journal“ vor einigen Monaten berichtete, streitet Madoff ab. Gegenüber Mitgefangenen erklärte er seine Blessuren damit, dass ihm schwindelig geworden und er umgekippt sei.

Madoff habe sich gut im Knast eingelebt, stellt auch der ehemalige Mithäftling Hay fest. „Nach dem, was ich gehört habe, hat sich Bernie niemals beschwert.“ Doch nicht jeder Wunsch wird ihm erfüllt. Einmal erbot sich Madoff, die Kasse für die Landschaftspflege zu übernehmen. Doch der Verantwortliche im Gefängnis lehnte ab: „Um Himmels willen, ich überwache mein Budget selbst. Ich weiß, was er draußen getan hat.“


 

© 2010 ftd

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