Der Onlinebroker Onvista Bank verlangt beim Kauf von Investmentfonds über die Kapitalanlagegesellschaft (KAG) keine Ausgabeaufschläge mehr.
Stattdessen rechnet er Fondsorders künftig grundsätzlich zu den gleichen Konditionen ab wie Aktien, Zertifikate oder Optionsscheine.
Die neue Konditionengestaltung bei Fondsaufträgen passt sich ein in die bestehenden Free-Buy-Preismodelle des Brokers. In aller Kürze bedeutet das, dass Kunden bei Käufen unter bestimmten Voraussetzungen gar keine Ordergebühren bezahlen, lediglich Fremdspesen etwa der Börsen. Beim Verkauf allerdings die normaler Orderprovision plus Spesen berechnet wird. Bisher waren Fonds, egal ob sie über die KAG oder über eine Börse geordert wurden, jedoch vom FreeBuy-Modell ausgenommen. Die Onvista Bank schafft mit ihrem Schritt also eine Ungereimtheit ihres bisherigen Preismodells ab.
„Ausgabeaufschläge bei Investmentfonds passen nicht zu einer modernen Online-Bank, egal ob mit oder ohne Rabatt. Deshalb schaffen wir diese überkommene und intransparente Gebührenpolitik ab“, verkündet Klaus-Jürgen Baum, Geschäftsführer der OnVista Bank. Auch Sparplanausführungen sind ab sofort kostenfrei, das Sparplanangebot wurde um ETF- und ETC-Varianten erweitert. Insgesamt stehen über 80 sparplanfähige Investmentfonds, 7 ETFs, und vier ETCs zur Auswahl.
Bei anderen Onlinebrokern ist es üblich, dass beim Kauf von Fondsanteilen über die KAG Ausgabeaufschläge anfallen, während der Verkauf über die Investmentgesellschaft in aller Regel gebührenfrei ist. Allerdings sind die Ausgabeaufschläge in aller Regel rabattiert, per Daumenregel etwa um die 50 Prozent. Hinzu kommen bei einigen Onlinebrokern wie etwa
comdirect, Cortal Consors,
DAB bank oder ING-DiBa dauerhafte 100-Prozent-Rabattaktionen auf ausgewählte Fonds. Bei Käufen und Verkäufen von Fonds über die Börsen fallen die herkömmlichen Orderspesen plus etwaige Nebenkosten an.

Die Onvista Bank rechnet den Preisvorteil ihres Modells anhand des bekannten Fonds DWS-Vermögensbildungsfonds I (WKN 847652) vor. Bei anderen Brokern gibt es diesen Fonds zum Teil mit 50 Prozent Rabatt auf den Ausgabeaufschlag von fünf Prozent, den Kunden von Filialbanken in aller Regel zu zahlen haben. Bei einer 3000-Euro-Order fallen damit beim Kauf über die KAG 75 Euro an Ausgabeaufschlag an, die Rückgabe ist kostenlos. Die OnVista Bank berechnet für den Kauf und Verkauf des gleichen Fonds laut ihrem Preismodell FreeBuy Cash (5,99 Euro + 0,23% des Ordervolumens) zwei Mal 12,89 Euro, insgesamt also 25,78 Euro. Sofern ein Kunde die Bedingungen für die Zuteilung von FreeBuys erfüllt, ist der Kauf des Produkts kostenlos möglich.
Die Onvista Bank zieht daraus den Schluss, dass Anleger nicht länger umständlich Recherchieren müssten, bei welchem Broker sie wie viel Ausgabeaufschlag für den Wunschfonds zahlen. Doch bei genauem Hinsehen stimmt das noch immer nicht so ganz: Denn bei anderen Brokern sind einige Spitzenfonds zu 100 Prozent rabattiert. Zumindest wer keine Free Buys bei der Onvista Bank nutzen kann, fährt dann bei der Konkurrenz besser. Bei einigen Brokern ist inzwischen auch der außerbörsliche Fondshandel über Market Maker möglich.
Auch dort zahlen Käufer dann lediglich die Order- plus Fremdspesen. Je nach Preismodell kann das auch günstiger sein als bei der Onvista Bank.
Die Brokerkonkurrenz sieht den Vorstoß der Onvista Bank mit Interesse, denn auch andere Häuser hatten erwogen, den Ausgabeaufschlag abzuschaffen, waren damit aber bei Fondsgesellschaften auf wenig Gegenliebe gestoßen. Auf mittlere Sicht gilt der Ausgabeaufschlag insbesondere mit Blick auf geplante EU-Regulierungen ohnehin als Auslaufmodell. Die Onvista Bank dürfte mit ihrer Fondsofferte aber auch versuchen, ihren Rückstand gegenüber den Branchengroßen zu verringern und ihre Erlöse auf eine breitere Basis zu stellen. Denn Bestandsprovisionen von aktiv gemanagten Fonds sind stabiler als oftmals recht volatile Tradingerlöse.
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