Nachdem die Schweizer Zentralbank die Notbremse gezogen hat, könnten die Währungshüter aus dem Norden bald ebenfalls zu drastischen Schritten gezwungen sein: Die Devisen aus Norwegen und Schweden werten zum Euro kräftig auf.
An den Devisenmärkten haben risikoscheue Anleger das nächste Ziel gefunden: Innerhalb der vergangenen zwei Tage verteuerte sich die
norwegische Krone um bis zu 2,5 Prozent, die
schwedische Krone um bis zu 1,8 Prozent. Auslöser waren die Schweizer Notenbanker, die seit Dienstag ihren
Franken spürbar schwächen wollen. Sie lassen vorerst nicht mehr zu, dass ein Euro weniger als 1,20 Franken kostet. Immer, wenn sich der Kurs dieser Schwelle nähert, wollen sie unbegrenzt Euro aufkaufen. Investoren sollen somit die Lust verlieren, auf weitere Währungsgewinne in der Schweizer Valuta zu wetten.
Mit den nordischen Devisen drohen weitere Währungen in einen Abwertungswettlauf hineingezogen zu werden. Einige Analysten warnen nach der Schweizer Entscheidung bereits vor einem verschärften Währungskrieg. Vor allem Japaner, Schweizer und Brasilianer wehren sich gegen die starke Aufwertung ihrer jeweiligen Währungen.
Hintergrund ist, dass die ultralockere Geldpolitik etwa in den USA wie eine Schwächung des Dollar wirkt. Außerdem meiden Anleger wegen der Verschuldungskrise im Euro-Raum und des jüngsten Aktienkursverfalls die Gemeinschaftswährung.
"Die Probleme, die der Euro den restlichen Währungsregimen mit flexiblem Wechselkurs in Europa bereitet, scheinen nicht zu verschwinden", sagte Stephen Gallo, Chefmarktanalyst bei Schneider FX, einem Londoner Handelshaus.
"Ist die norwegische Krone die nächste Währung in der Reihe?", fragt sich der Analyst. "Wir werden jetzt deutlich mehr Interventionen und Kursmanipulationen in großem Stil erleben", sagte Stuart Thomson, vom Vermögensverwalter Ignis Asset Management in Glasgow, der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Der norwegische Notenbankchef Öystein Olsen versuchte Mittwoch seine Währung kleinzureden. Olsen sagte, er glaube nicht, dass die Krone ein "sicherer Hafen" wie der Schweizer Franken werden könne. Seine Notenbank werde daher auch nicht wie die Schweizer am Markt eingreifen. Die Krone war zuletzt rund fünf Prozent teurer im Vergleich zum Euro als in den ersten Monaten des Jahres.
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