Herr Hepperle, der Euro hat im vergangenen Jahr 7,8 Prozent an
Wert eingebüßt. Gestern hat er sich
im Zuge höherer Risikobereitschaft
zwar ein wenig erholt, blieb aber
insgesamt schwach. Warum ist der
Yen trotz hoher Verschuldung und
latenter Deflationsgefahr in Japan
eigentlich so beliebt?
Bastian Hepperle: Der Yen neigt tatsächlich
trotz zahlreicher konjunktureller
Rückschläge sowie der Naturund
Atomkatastrophe im Vorjahr zur
Stärke. Die Schwäche des Euro zum
Yen wurde wohl auch durch die deutlichen
Zinssenkungen der Europäischen
Zentralbank verstärkt. Da für
die Euro-Zone von vielen Marktteilnehmern
weiter sinkende Zinsen erwartet
werden, ist die relative Attraktivität
des Euro nicht mehr gegeben.
Es liegt auch der Verdacht nahe, dass
automatische Systeme den Yen noch
immer als sicheren Hafen handeln.
Spiegelt sich in der Kursentwicklung
auch ein Misstrauen der
Japaner gegenüber Europa wieder?
Hepperle:Wir sehen ein grundsätzliches
Misstrauen der Investoren vor
dem Hintergrund der Staatsschuldenkrise.
Das gilt nicht nur für die Japaner,
sondern auch für US-Investoren,
die schnell dabei sind Geld abzuziehen.
Die ganze Welt hat sich auf eine
Schwäche der Euro-Zone eingeschossen.
Viele Investoren bevorzugen bei
sinkender Risikobereitschaft meist
ihre Heimatwährung.
Wie geht es weiter mit dem Yen?
Hepperle: Der Yen ist schwer zu prognostizieren.
Zieht man die Kaufkraftparitäten
heran, so ist er massiv überverkauft.
Der Euro sollte sich demnach
auf lange Sicht auf 110 bis 115
Yen erholen. Zugleich wird der Markt
immer wieder testen, wie weit die
Bank of Japan bereit ist, gegen eine
weitere Aufwertung des Yen zu intervenieren.
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