Ein deutsch-französisches Spitzentreffen zur EU-Schuldenkrise am Abend ist ohne konkrete Ergebnisse geblieben. Der Euro steht unter Druck, an den Märkten rechnet man mit Abschlägen.
Der
Euro hat im asiatischen Handel am Donnerstag zum Dollar an Wert verloren, nachdem es keine Aussagen zu möglichen Ergebnissen eines Treffens europäischer Spitzenpolitiker am Vorabend in Frankfurt gab. Die Unsicherheit über den weiteren Kurs vor dem EU-Gipfel in Brüssel am Wochenende ließ die Gemeinschaftswährung zum Greenback um 0,9 Cent fallen. Die Notierung fiel im frühen Handel unter die Marke von 1,37 Dollar.
Im Gegenzug gewann die US-Devise gegenüber den wichtigsten Handelspartnern des Landes an Wert: Der Dollar-Index, der die Entwicklung der Währung zu einem Korb sechs wichtiger anderer Devisen misst, gewann mehr als 0,3 Punkte und stieg auf bis zu 77,40 Punkte. In der Folge büßte auch
Gold etwa zwei Prozent ein, weil das Edelmetall in Dollar gehandelt wird. Eine Feinunze (31,1 Gramm) kostete zwischenzeitlich rund 1613 Dollar und damit rund 30 Dollar weniger als am Vorabend.
Die Unsicherheit dürfte auch die europäischen Aktienmärkte zum Handelsstart belasten: Nach Einschätzung von Banken und Brokern wird der
DAX zur Eröffnung in Frankfurt die Gewinne des Vortages wieder abgeben. Am Mittwoch hatte der Leitindex gestützt auf Hoffnungen auf eine Ausweitung des Euro-Rettungsschirms 0,6 Prozent höher bei 5914 Punkten geschlossen. Auch die übrigen wichtigen Aktienbörsen werden nach Daten des Dienstleisters Bloomberg im Minus erwartet.
Zudem sind die Vorgaben aus Übersee schwach: An der Wall Street hatte der
Dow Jones am Mittwoch 0,6 Prozent tiefer geschlossen. Der marktbreite
S&P 500 verlor 1,3 Prozent, und der
Nasdaq Composite gab zwei Prozent ab.
Auch aus Asien kamen negative Vorgaben: Der
Nikkei-Index büßte in Tokio zwischenzeitlich ein Prozent ein. In Schanghai fiel der wichtigste chinesische Aktienindex um gut zwei Prozent. Hintergrund sind nicht nur Sorgen um den bestand der Euro-Zone, sondern auch verhaltene Äußerungen der US-Notenbank Fed zur Konjunktur in der größten Volkswirtschaft der Welt. Sie werde sich weiter verhalten entwickeln, heißt es in dem am Mittwochabend veröffentlichten, Beige Book genannten Konjunkturbericht der Zentralbank.
In Frankfurt hatten am Mittwochabend nach der Verabschiedung von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy verhandelt, um deutsch-französische Differenzen bei der Ausgestaltung des Euro-Rettungsschirms EFSF auszuräumen. Dabei ging es offenbar um die mögliche Hebelwirkung, mit der die Kapazität des Fonds erweitert werden könnte.
Ein Streitpunkt könnte auch die Frage nach Stärke und Schnelligkeit einer wahrscheinlichen Rekapitalisierung der Banken gewesen sein. Während des Treffens brachte Sarkozys Frau Carla Bruni laut französischen Medienberichten eine Tochter zur Welt. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es allerdings nicht - ebenso wenig wie irgendeine Aussage der europäischen Spitzenpolitiker nach dem Treffen.
mit Agenturen
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