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10:00, 27.06.08


Börsenspam

"Das überrascht mich sehr"

Von Martin Reim

Zur Person: Es gibt tatsächlich einen Menschen auf der Welt, der sich über Werbemails freut – Berthold Metz. Der Doktorand aus Freiburg sammelt solche Spams, wertet sie auf seiner Homepage  spamschlucker.org aus und freut sich über Zusendungen an die Adresse  stephan@spamschlucker.de. GRAUMARKTINFO.DE hat mit dem 37-Jährigen über Börsenspams geredet.


Berthold Metz vor einem Spam-Plakat.

© www.spamschlucker.org
Berthold Metz vor einem Spam-Plakat.

Herr Metz, kriegen Sie oft Börsenspams?

Metz: Seit Jahresanfang habe ich auf eine einzige Adresse 66 000 Spams zusammenbekommen, und kein einziges Mal ging es um Aktien. Das überrascht mich sehr.

Wie viele Börsenspams haben sie in früheren Jahren bekommen?

Metz: Ich schätze mal, dass sich zwei bis fünf Prozent aller Mails mit dem Thema beschäftigt haben.

Was könnte die aktuelle Baisse ausgelöst haben?

Metz: Möglicherweise schaffen es die Mails nicht mehr durch die Filter, weil die Kürzel "WKN" oder "ISIN" mittlerweile erkannt werden. Außerdem kann man relativ leicht einen Spam-Schutz aufbauen, weil man nur die Namen einiger tausend Aktien eingeben muss, die in Frage kommen. Bei anderen Spam-Themen ist solch eine Abgrenzung schwieriger. Vielleicht sind aber auch die Absender frustriert, weil sie keine Wirkung mehr erzielen. Es ist ja nicht auszuschließen, dass die Leute nicht mehr so doof sind, auf die Mails zu reagieren. Eventuell haben auch die Doofen kein Geld mehr.

Was unterscheidet Börsenspams von anderen Werbemails?

Metz: Sie sind immer sehr technisch, mit vielen Ziffern, insbesondere in Form von Prozentzahlen. Und sie sind optisch sehr lieblos gemacht. Da lassen sich beispielsweise die Werber für Viagra oft mehr einfallen - mit verschiedenen Farben und so.

Gibt es also nichts, was das Sammlerherz erfreut?

Metz:Ästhetisch und inhaltlich gesehen, nein. Aber ich finde Börsenspams in anderer Hinsicht faszinierend. Oft steht drin, dass eine bestimmte Aktie am nächsten Tag stark steigen wird. Das ist erstmal eine Lüge. Aber einige Leute kaufen die Aktie gerade wegen dieser Vorhersage, zumindest war das früher so. Dann steigt der Kurs tatsächlich, und die Lüge hat eine neue Wahrheit geschaffen.

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