Schneider Technologies
Neue Zweifel am Zeitplan für Laser-TV
Von Renate Daum
© dpa
Mitarbeiter liest den Sozialplan des Insolventen Unternehmens Schneider Technologies AG
In vielen Haushalten stand einmal ein Gerät der ehemaligen Schneider Rundfunkwerke, sei es ein Fernseher, eine Stereoanlage oder ein Computer. In den Jahren 1999 und 2000 fiel der später in Schneider Technologies umbenannte Traditionskonzern aus Türkheim aber noch durch ein überaus innovatives Produkt auf. Er entwickelte einen Laser-Fernseher mit phantastischer Bildschärfe und anderen einmaligen Qualitäten.
Der Aktienkurs schoß in die Höhe. Viele Aktionäre trauten dem alteingesessenen Unternehmen aus dem Allgäu mehr als etlichen Jungspunden von High-Tech-Unternehmen, die ansonsten mit hochfliegenden Plänen durch die Lande zogen.
Öffentlichkeit jubelte über Pressemitteilung
Daher war der Jubel groß, als Schneider im Oktober 2000 eine Pressemitteilung mit „Durchbruch für Schneider-Laser-TV“ überschrieb. Schneider sei System-Partner und Leitkunde von Osram, hieß es darin. Osram Opto Semiconductors werde die Entwicklung der für den Fernseher nötigen Laserdioden vorantreiben. Die technischen Spezifikationen würden auf die weltweit geschützte Schneider-Technologie zugeschnitten. Mit diesen Dioden „wird Schneider eine wesentliche Komponente zur planmäßigen Einführung seines Display-Systems in den Konsumentenmarkt für TV- und Internetanwendungen im Jahr 2003/2004 zur Verfügung stehen,“ wurde verkündet.
Die Öffentlichkeit nahm das positiv auf. „Schneider AG: Marktreife bei Laser-TV absehbar, Kooperation mit Osram schafft technische Basis für Laser-TV“, hieß es zum Beispiel bei yahoo! Finanzen. Schneider war nicht in der Lage, die Laser-Dioden selbst zu entwickeln, daher stieß die Zusammenarbeit mit dem renommierten Lichtquellenkonzern Osram auf viel Beifall. Die Serienreife der neuartigen Laser-Dioden war essentiell für die Fernseher.
Bei Osram ist nur von technischer Machbarkeit die Rede
Als Schneider Technologies Ende Januar 2002 überraschend Insolvenz anmeldete, begannen Aktionäre unangenehme Fragen zu stellen. Einige reichten Klagen ein, unter anderem weil die Ankündigungen zur Serienreife der Laser-Fernseher zu ambitioniert gewesen seien.
Seit Sommer 2007 bemüht sich auch der neue Vorstand Jürgen Nardin um Aufklärung. Auf seine Nachfrage teilte ihm der Chef der Osram Opto Semiconductors GmbH am 8. Januar mit, es habe niemals eine „formalisierte Kooperation“ zwischen Schneider Technologies und der Osram Opto Semiconductors GmbH bestanden. Die Schneider-Pressemitteilung sei nicht mit Osram abgesprochen gewesen.
Ähnlich äußerte sich das Unternehmen auch auf Nachfrage von graumarktinfo.de. „Schneider war ein interessanter potentieller Kunde mit dem man notwendige Zielspezifikationen von Halbleiterlasern diskutiert hat,“ teilt die Pressesprecherin mit. Ähnliches mache das Unternehmen auch in anderen Bereichen bei Kunden die applikationsspezifische neue Produkte brauchten. Natürlich suche man sich einen Kunden der das System kenne und Trends setzen könne. „Es ging für uns im Jahr 2000 vorrangig darum, die technische Machbarkeit zu zeigen bevor man dann in die konkrete Produktentwicklung einsteigt“, fügt sie hinzu. Von einem Zeitplan für eine Serienreife ist keine Rede.
© 2008 boerse-online.de, © Bild: dpa








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