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Britische LV-Fonds

Hoffnung auf Kapitalerhalt

Von Renate Daum

britische Flagge

© dpa
britische Flagge

Initiatoren geschlossener Fonds preisen ihre unternehmerischen Beteiligungen gerne mit dem Argument an, dass die Wertentwicklung kaum von den schwankenden Finanzmärkten abhänge. Einige Segmente erwiesen sich jedoch sogar als besonders anfällig, etwa geschlossene Fonds, die in britische Lebensversicherungspolicen investiert haben.

Das Münchner Emissionshaus WealthCap, eine Tochter der Unicredit-Bank, hat gerade Zwischenbilanz für seine zwei Fonds Life Britannia 1 und 2 gezogen. Sie hat insgesamt rund 215 Millionen Euro bei 6800 Anlegern eingesammelt. „Herbe Verluste“ müssten Anleger hinnehmen, wenn es aktuell zu einer Liquidation käme, sagt WealthCap-Geschäftsführerin Gabriele Volz. Aus den Jahresberichten 2009 ergibt sich, dass Anleger höchstens gut die Hälfte ihrer Zeichnungssumme zu erwarten hätten. Andere Fondshäuser wie HCI nennen keine konkreten Zahlen, räumen aber ebenfalls ein, unter der Marktentwicklung gelitten zu haben.

Hebel wirkte in die falsche Richtung

Immerhin scheint das schlimmste nun überstanden zu sein. „Aufgrund der aktuell positiven Wertentwicklung erwarten wir, bis zum Ende der Fondslaufzeit mindestens den Kapitalerhalt in britischen Pfund zu erreichen“, kündigt Volz an. Zumindest „verhalten optimistisch“ ist Daniele Schulte, Vorstand der Ideenkapital Financial Engineering AG, „da noch nicht erkennbar ist, ob die begonnene Markterholung von Dauer ist und sich das Verhalten der Banken wieder normalisiert.“ Ideenkapital gehörte ebenfalls zu den wichtigen Anbietern solcher Fonds. Damit besteht zumindest die Hoffnung, dass die Anleger zumindest mit einem blauen Auge mit bei den vermeintlich relativ risikoarmen Fonds davonkommen können.

Die Fonds wollten sich die traditionelle Ertragsstärke britischer Lebensversicherungen zu Nutze machen. Die Gesellschaften auf der Insel haben relativ weiten Spielraum bei ihren Investments. Sie steckten fast die Hälfte des Kapitals in Aktien und erzielten damit weit höhere Erträge als die deutschen Gesellschaften. Die deutschen Fonds kauften Policen am Zweitmarkt in Großbritannien und überwiesen die Prämien dafür an die Versicherungsgesellschaften. Die Policen dienten zudem als Sicherheiten für Darlehen, die sie zum weiteren Ankauf von Policen und zum Zahlen der Prämien nutzten. Eine positive Spirale sollte dadurch in Gang gekommen und den Anlegern ordentliche Ausschüttungen bescheren.

Prognoserechnungen wurden Makulatur

Die Finanzkrise machte aus den Prognoserechnungen allerdings Makulatur. Die Rückkaufswerte stiegen nicht, sondern sanken sogar drastisch. Kredite ließen sich nicht mehr im geplanten Umfang aufnehmen. Das Geld fehlte sowohl für vorgesehene Policenkäufe als auch für die weiteren Prämienzahlungen.

In die Zange gerieten aber auch die Versicherer selbst. Sie mussten Aktien abstoßen, als die Kurse im Keller waren, um sicherzustellen, dass sie abgegebene Garantien erfüllen konnten. Von der nachfolgenden Kurserholung profitierten sie nicht im vollen Umfang. Die Schlussboni fielen in den vergangenen Jahren somit deutlich geringer aus als gewohnt. Hatten sie 2004 noch 30 Prozent der Ablaufleistung ausgemacht, waren es 2010 nur noch 15 Prozent. Das war auch der Hauptgrund für den drastischen Abfall der Ablaufleistungen zwischen 2004 und 2010.

Mittlerweile werden wieder Rückkaufwerte angehoben und höhere Schlussboni gezahlt. Die verlorenen Jahre lassen sich aber nicht mehr aufholen. 2010 werde es keine Ausschüttungen geben können, kündigt etwa Torsten Teichert, Vorstandsvorsitzender von Lloyd Fonds für die britischen Policenfonds seines Hauses an. „Keiner dieser Fonds ist aktuell von einer Insolvenz bedroht“, beruhigt er aber. Das Fondsmanagement der HCI Gruppe, die über ihre Tochter HSC sieben Fonds aufgelegt hat, geht davon aus, dass es 2010 nur bei einer nachhaltigen Erholung der Märkte Ausschüttungen geben könne. Durch die Krise hatten sowohl das gehandelte Volumen als auch die gezahlten Preise für Policen stark gelitten.

Niedrigzinsphase begünstigt variable Darlehen

Das Emissionshaus König & Cie mit drei Fonds und 75 Mio. Euro Anlegerkapital hat 2008 weniger ausgeschüttet als prognostiziert und 2009 die Zahlungen ganz ausgesetzt. Der Lage kann es aber etwas Positives abgewinnen: Die Fonds profitierten durchweg „von dem niedrigen Zinsniveau für Fremdkapital“. Das Haus hat ebenso wie etwa  HCI auf Kredite mit variablen Zinsen gesetzt und profitiert somit von der derzeitigen, extremen Niedrigzinsphase.

Dagegen gingen etwa WealthCap und MPC auf Nummer sicher und schlossen Kredite mit festen Zinsen ab. Was bei der Konzeption als besonders sicher erschien, erweist sich damit derzeit als Hemmschuh. Bis Laufzeitende kann das Bild allerdings wieder drehen, falls der Zinstrend dreht. Wie viel die Summe wert ist, die Anleger dann erhalten, ist ohnehin offen. Selbst wenn bei einem Kapitalerhalt in britischen Pfund, wie ihn sich WealthCap-Geschäftsführerin Volz erhofft, bekommen Anleger vielleicht ihren Einsatz nicht wieder, falls das Pfund gegenüber dem Euro weiterhin an Wert verliert.

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