Emissionhäuser Geschlossener Fonds
Schwund ist immer
Von Brigitte WatermannEmissionshäuser im Bereich Geschlossene Fonds haben oft nur ein kurzes Leben: Viele Anbieter verschwinden bereits nach wenigen Jahren wieder vom Markt. Das hat eine Studie des Analysehauses FondsMedia zur Marktpräsenz von Emissionshäusern ergeben.
Demnach sind drei Viertel der 148 vor zehn Jahren am Markt aktiven Emissionshäuser verschwunden. Die Branche leidet nach wie vor unter einer großen Zahl an Emissionshäusern, die mit fragwürdigen Produkten Anlegergelder einsammeln, um dann kurze Zeit später vom Markt zu verschwinden. Laut FondsMedia führen neue Anlagetrends immer auch wieder zum Markteintritt neuer Anbieter, die aber nicht unbedingt auch die Kompetenz in dem Bereich aufwiesen. Ein Beispiel sei etwa der Boom bei Solarfonds.
Anbieter von Steuersparfonds sind drastischer Marktbereinigung zum Opfer gefallen
FondsMedia zufolge sind Anbieter von Medien- und Windkraftfonds mit 81 bzw. 88 Prozent vom „Unternehmensschwund“ am stärksten betroffen. Am stabilsten haben sich Schiffsfondsanbieter erwiesen, hier ging die Zahl der Emittenten um rund 38 Prozent zurück. Hauptsächlich sind jene Emissionshäuser vom Markt verschwunden, die sich ausschließlich auf steuersparorientierte Fonds fokussiert oder nur relativ wenig Eigenkapitalvolumen platziert hatten. Bei letzteren war die Wahrscheinlichkeit neunmal höher, sich nicht dauerhaft am Markt etablieren zu können.
Die wichtigsten Kriterien, ob ein Emissionshaus als „aktiv“ zu bewerten ist, sind für FondsMedia eine aktuelle Internetpräsenz, die Verfügbarkeit einer Leistungsbilanz und eine nachhaltige Emissionstätigkeit. Emissionshäuser, die diese Kriterien erfüllen und bereits zehn Jahre und länger am Markt bestehen, weisen demnach eine überdurchschnittliches Maß an Investitionssicherheit auf.
"Streicht das Emissionshaus die Segel, ist das tendenziell eher schlecht für die Fonds"
Wenn ein Emissionshaus aufgibt oder pleite geht, birgt das nach Auskunft von FondsMedia häufig Probleme für die von der Gesellschaft aufgelegten Fonds. „Wenn das Emissionshaus die Segel streicht, ist es tendenziell eher schlecht für die Fonds und deren Investoren“, sagt René Laudi von FondsMedia. Wie gravierend die Folgen sind, hängt davon ab, inwieweit Fonds und Emissionshaus rechtlich verflochten sind. Eines der gravierendsten Risiken besteht in einer Durchgriffshaftung auf den Fonds, so dass ein Fonds infolge einer Insolvenz des Emissionshauses ebenfalls in die Pleite rutschen kann. In anderen Fällen ist häufig das Management des Fonds in der bisherigen Form nicht mehr gewährleistet, ein neues muss gesucht werden, was ebenfalls Probleme birgt.
„Anleger legen heute mehr Wert denn je auf sichere, transparente und klar strukturierte Produkte. Die Qualität des Anbieters rückt dabei immer mehr in den Fokus“, sagt Torsten Teichert, Vorstandsvorsitzender der Lloyd Fonds AG, die bereits seit mehr als 15 Jahren am Markt ist. Die Lloyds Fonds AG war Auftraggeber der Studie, hatte in den letzter Zeit ausgerechnet aber selbst ziemlich zu kämpfen: Das Emissionshaus hatte in Boomzeiten zu viele Schiffe geordert, Abhilfe schaffte eine Einigung mit den Banken. Das Emissionshaus konnte sich darin von Platzierungsgarantien auf die bestellten Schiffe enthaften. Lloyds-Mann Teichert zeigt sich daher optimistisch: „Durch die mit unseren finanzierenden Banken geschlossene Vereinbarung haben wir nun beste Voraussetzungen dafür, auch in weiteren 15 Jahren noch für unsere Kunden da zu sein.“
Etablierte Anbieter bieten mehr Sicherheit
Anleger, die sich für ein Investment in Geschlossene Fonds interessieren, sollten also eher auf Anbieter setzen, die schon länger am Markt sind, meint FondsMedia. „Gerade wenn ein Anbieter bereits mehrere Marktphasen gemeistert hat, ist das tendenziell ein gutes Signal“, sagt Laudi. Wenn ein bereits etablierter Anbieter sich eine neue Sparte erschließt, sollten Interessenten allerdings darauf achten, ob das Haus im neuen Feld auch genügend Expertise aufweisen kann. Auch die Mitgliedschaft des Anbieters im Branchenverband VGF und eine gemäß deren Richtlinien geprüfte und vom Wirtschaftsprüfer testierte Leistungsbilanz maßgebliche Qualitätskriterien. Doch ähnlich wie bei offenen Fonds gilt bei geschlossenen Fonds umso mehr: Die Performance der Vergangenheit ist kein Garant für die Zukunft.
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