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10:22, 01.12.09


Geschlossene Fonds

TÜV vergibt keine Noten mehr

Von Renate Daum


Der TÜV Nord setzt sein umstrittenes Bewertungsverfahren für geschlossene Fonds nicht mehr ein. Er teilte am Dienstag mit, dass er sein Notensystem abschaffen werde. „Wir haben die Überprüfung unseres Produktes Fondsplausibilität abgeschlossen und Optimierungspotenzial identifiziert“, sagte Ulf Theike, Geschäftsführer der zuständigen TÜV-Tochter TÜV Nord Cert GmbH. Wie das neue System genau aussieht, gab er nicht bekannt.

Der TÜV hatte bisher eine Notenskala für sein Siegel zur Fondsplausibilität verwendet. Diese Einstufung hatte heftige Kritik hervorgerufen. So hatten Anlageprodukte, die BÖRSE ONLINE auf die Graue Liste oder FINANZTEST auf die Warnliste gesetzt hatten, gute Zensuren vom TÜV erhalten.

TÜV-Gesamtnoten fielen zu milde aus

Nachdem BÖRSE ONLINE im Juli 2008 in Ausgabe 29/2008 Schwächen der Siegel herausgearbeitet hatte, war die Kritik nicht mehr abgerissen. Auch das Deutsche Institut für Anlegerschutz (Dias) sowie jüngst der Arbeitgeberverband der finanzdienstleistenden Wirtschaft e.V. (AfW) hatten harsch über das Gütesiegel des TÜV Nord für geschlossene Fonds und Fondspolicen geurteilt.

Ein Gutachten, das der AfW–Bundesverband Finanzdienstleistung e.V in Auftrag gegeben hatte, kam zu dem Ergebnis, dass viel zu milde Gesamtnoten gebildet würden. Zudem seien die Kriterien für die Bildung einer Gesamtnote teilweise unterschiedlich. Das zeige die Mangelhaftigkeit der TÜV-geprüften Fondsplausibilität. „Unqualifizierte Prüfer“, „ungeeignete Prüfkriterien“, „unrichtige Prüfergebnisse“ lautete das Fazit des AfW.

TÜV Nord stellt hohes Anlagerisiko heraus

Der TÜV Nord werde den Kriterienkatalog im Sinne des Anlegerschutzes überarbeiten, kündigte der TÜV nun an, ohne auf die neuen Kriterien einzugehen. Das Notensystem werde abgeschafft, „um noch klarer zu verdeutlichen, dass TÜV Nord keine Ratingagentur ist.“ Ein Produkt erhält somit ein Siegel oder es fällt durch, ähnlich wie bei der Untersuchung für Kraftfahrzeuge.

Zudem dürfe das Siegel künftig nicht mehr allein, sondern ausschließlich im Zusammenhang mit dem TÜV Nord-Zertifikat oder einem entsprechenden Risikohinweis verwendet werden. "Wir ersetzen keine qualifizierte Beratung", stellt Theike klar. Wenn sich aber herausstelle, dass sich geschlossene Fonds für einen Anleger eignen, d"ann ist unser Prüfsiegel ein gutes Auswahlkriterium." Ein Sorglos-Zertifikat sei es nicht.

TÜV-Siegel ersetzt qualifizierte Beratung nicht

„Bei geschlossenen Fonds ist geringe Transparenz für den Anleger bei gleichzeitig hohem Anlagerisiko gegeben“, stellt der TÜV fest. So handle es sich um unternehmerische Beteiligungen mit allen Risiken des Unternehmertums. Bei seiner Zertifizierung gehe der TÜV Nord über die bisher branchenüblichen Produktprüfungen hinaus und prüfe vor Ort, ob das zugrundeliegende Geschäftsmodell der Fonds plausibel sei.

Der TÜV Nord hat nach eigenen Angaben 20 geschlossenen Fonds und Fondspolicen ein Siegel für Fondsplausibilität nach dem alten System erteilt. Diese Zertifikate haben jeweils eine Laufzeit von einem Jahr. Sie dürfen während dieser Zeit weiterverwendet werden, neue werden aber nicht mehr nach diesem System vergeben.

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