BOERSE ONLINE
Suche
18:16, 24.08.10


Gesetzesentwurf

Berlin streitet um Anlegerschutz

Von Ute Göggelmann

Bundestag

© ddp
Bundestag

Deutschland ist neben Österreich der einzige westliche Euro-Staat, in dem Verkäufer geschlossener Fonds oder stiller Beteiligungen nicht beaufsichtigt werden. Ein Zustand, der nach dem Willen der Bundesregierung schon bald der Vergangenheit angehören soll, auch die EU drängelt.

Darüber, wie die rund 80 000 Verkäufer dieser Finanzprodukte beaufsichtigt werden sollen, wird in Berlin aber gestritten. Geht es nach Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der einen Gesetzentwurf zur Stärkung des Anlegerschutzes vorgelegt hat, werden geschlossene Fonds als Finanzinstrumente im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes eingeordnet werden. Deren Vermittler unterstünden dann der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Brüderle setzt auf die Gewerbeaufsicht

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) will die Anlageberater dagegen weiterhin von der Gewerbeaufsicht überwachen lassen. „Allerdings sollen künftig etwa eine Mindestqualifikation, bestimmte Haftungsregeln sowie ein Register für Finanzvermittler eingeführt werden“, sagte FDP-Finanzexperte Frank Schäffler der FTD. Bisher konnten sich auch Friseure und KfZ-Meister in Kurzseminaren zu Finanzberatern ausbilden lassen.

Die betroffenen Vermittler laufen Sturm gegen die geplante Verschärfung der Aufsicht. Sie würden denselben Pflichten wie Bankberatern unterliegen. Dazu gehört etwa, dass sie ein Beratungsprotokoll nach einem Kundengespräch erstellen müssen. Auch müssten sie unter ein Haftungsdach und dafür Gebühren bezahlen. „Sie müssten Mitglied der Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW) werden“, sagte Schäffler. Die EdW ist klamm, da sie den Entschädigungsfall Phoenix, der in zweistelliger Millionenhöhe liegt, verkraften muss.

Es ist offen, wer sich durchsetzt

Dies alles dürfte die Betriebskosten der freien Vermittler deutlich erhöhen – und schließlich deren Zahl stark reduzieren, was wiederum Verbraucherschützer angesichts zahlreicher Finanzskandale in der Vergangenheit begrüßen.

Noch ist offen, wer sich in dem Streit durchsetzt. Doch selbst wenn künftig die BaFin die Überwachung aller Finanzberater übernimmt, ersetzt dies nicht die Sorgfaltspflicht der einzelnen Anleger. Denn: „Es ist schwer mit 30 bis 40 Leuten bis zu 80 0000 Vermittler von geschlossenen Fonds zu beaufsichtigen“, sagte unlängst Stefan Pankoke, Wertpapieraufsichtsexperte bei der BaFin, auf einer Veranstaltung des Deutschen Aktieninstituts (DAI). „Klar ist, dass es mit den aktuellen Ressourcen eng wird.“

Seite 1 von 1




Diesen Artikel bookmarken bei...

BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Webnews weblinkr Yahoo MyWeb YiGG

© 2010 Börse Online = Börse Online, © Bild: ddp


Schreiben Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel


Ihre Meinung

Ich bin registrierter User und möchte mich anmelden »

Ihr Name
Ihre Email-Adresse (wird nicht veröffentl.)
Betreff
Ihr Kommentar


 





Newsletter Foren RSS-Feed

Impressum / Kontakt | AGB | Datenschutz | Abo-Shop | Online-Werbung | Print-Werbung

Bei technischen Problemen auf der Website www.graumarktinfo.de mailen Sie bitte hier unserem Webmaster

Weitere Online-Angebote des Verlagshauses G+J AG & Co KG

G+J Glossar, Partner-Angebote