Reithinger Bank
"Jeder hätte es wissen können"
Von Renate DaumVor zwei Jahren, am 2. August 2006, wurde die Reithinger Bank in Singen zwangsweise geschlossen. Sie gehörte zum Firmenimperium des schillernden Münchener Geschäftsmanns Klaus Thannhuber. Wenig später wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Das ist bitter für viele Kunden, denn das Institut gehörte dem Einlagensicherungsfonds der deutschen Banken nicht mehr an. Der Journalist Wolfgang Messner wohnt in Singen. Er hat Aufstieg und Fall des Kreditinstituts hautnah erlebt und einige Lehren für Bankkunden daraus gezogen.
GRAUMARKTINFO: Herr Messner, war die Privatbank Reithinger schon immer ein etwas zweifelhaftes Kreditinstitut?
Wolfgang Messner: Überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Das war früher, als es noch der Familie Reithinger gehörte, ein grundsolides, geradezu biederes Haus, eine Bank der kleinen Leute. Viele Arbeiter und Angestellte hatten dort ihr Konto. Zum Reithinger kannscht gehe, hieß es in Singen.
GRAUMARKTINFO: Warum haben die früheren Eigentümer, Manfred Reithinger und seine beiden Schwestern, die Bank dann im Mai 2002 ausgerechnet an Klaus Thannhuber verkauft? Er galt doch schon damals als schillernde Figur?.
Messner: Manfred Reithinger sagte zu mir, er habe die kritischen Berichte zu Thannhuber nicht gekannt und sich auf seine Berater verlassen. Thannhuber hat ihn auch mit seinem Charme umgarnt und in einem Brief versichert, an den bösen Geschichten sei nichts dran. Ganz geklärt sind die Umstände des Verkaufs aber bis heute nicht.
GRAUMARKTINFO: Wie wurde der Eigentümerwechsel im Ort aufgenommen?
Messner: Es gab einen Bericht in der Zeitung, die Bankkunden wurden angeschrieben. Das wurde längst nicht von allen Kunden beachtet. Es gab danach zwar immer wieder Gerüchte, dass bei der Bank etwas passieren könne, aber andere versicherten, da sei nichts dran.
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