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11:22, 05.09.08


Spam

Ein Müllhaufen von A bis Z

Von Stefanie Dietzel

Ungeliebte Nachrichten: Anfangsbuchstaben spielen beim Eingang von Spam eine Rolle


Ungeliebte Nachrichten: Anfangsbuchstaben spielen beim Eingang von Spam eine Rolle

Email-Empfänger, deren Adressen mit M, S oder A beginnen, sind Spitzenreiter bei Spam-Mails in ihrem Postfach. Davon geht ein britischer Wissenschaftler aus, der erklärt, wie Spammer ihre Listen erweitern und warum einige Adressen stärker betroffen sind als andere.

Verlockende Betreffzeilen und individuell ausgewählte Absendernamen verführen den Email-Leser oft zum Aufrufen dubioser Nachrichten. Solche unerwünschten Mitteilungen bilden häufig einen lästigen Müllhaufen im Postfach. Email-Adressen mit den Anfangsbuchstaben M, S und A sind besonders anfällig für Abfallmails. Wer sich aber eine Adresse mit Q, W oder Z zulegt, muss sich mit deutlich weniger Müll im Postfach herumschlagen. Das ergab eine Studie des britischen Wissenschaftlers Richard Clayton an der Universität Cambridge. Rund 50 Prozent aller eingehenden Mails seien Spam, während der Anteil an Mülleingängen bei Adressen, die mit Q, W oder Z beginnen, nur etwa 35 Prozent ausmache.

Sicherer Umgang mit der Email-Adresse

Damit die eigene Email-Adresse nicht zum beliebten Ziel der Spammer wird, sollte man zuerst darauf achten, dass sie nicht auf Webseiten veröffentlicht wird oder sogar im Quelltext einer Homepage landet. Denn ein vorsichtiger Umgang mit individuellen Adressen verringert die Wahrscheinlichkeit von Spam erheblich. Forscher haben außerdem herausgefunden, dass Unterschiede beim prozentualen Anteil von Spam-Mails von den verschiedenen Geschäftsbereichen abhängen, in denen die Empfänger tätig sind. Hier bildet laut MessageLabs, einem Anbieter von Sicherheitsservice im Internet, die verarbeitende Industrie gefolgt vom Gastronomiegewerbe den Gipfel, während zum Beispiel der IT-Sektor am geringsten betroffen sei. Daneben spielen aber Clayton zufolge auch die Anfangsbuchstaben eine bedeutende Rolle.

Dieser Annahme ist er in seiner Studie auf den Grund gegangen. Der Wissenschaftler untersuchte acht Wochen lang die Email-Eingänge bei 150.000 Kunden des britischen Internetdienstanbieters Demon Internet. Im Fokus stand jeweils der Anfangsbuchstabe des ersten Teils einer Email-Adresse. Von A bis Z wurde für jeden Buchstaben die Anzahl der Nachrichten mit gefälschtem Absender gezählt. Das erstaunliche Ergebnis: zebra@beispiel.de hat es mit weniger als 20 Prozent Spam vergleichsweise gut getroffen, während die Nachrichten bei affe@beispiel.de zu mehr als 30 Prozent aus Müll bestehen.

Rumpelstilzchen-Methode

Dieses überraschende Phänomen erklärt Clayton so, dass die Spammer beim Erstellen von Email-Listen auf die so genannte „Dictionary-Methode“ zurückgreifen. Bei dieser Handhabung, die auch „Rumpelstilzchen-Attacke“ genannt wird, geht der Absender von bekannten Adressen aus und ersetzt einfach den Domain-Namen. Damit spekuliert er darauf, dass anton@beispiel.de auch in der Version anton@muster.de existiert und erhöht so seine Chance auf eine Reihe real vorhandener Empfänger. Weil wesentlich mehr Adressen mit einem M beginnen als beispielsweise mit einem X, werden diese also häufiger mit verschiedenen Domain-Namen kombiniert. Deshalb werden sie mit überdurchschnittlich viel Müll attackiert.

Berthold Metz betrachtet diese Theorie allerdings mit Skepsis. „Die Annahme, dass die Spammer ihre Listen sortieren und existierende Adressen mit verschiedenen Domainnamen variieren, erscheint logisch,“ gesteht Metz. Seiner Meinung nach gebe es aber keinen prüfbaren Zusammenhang zwischen den Anfangsbuchstaben einer Adresse und der Anzahl der eingehenden Spam-Mails. Der Doktorand ist als „Spamschlucker“ bekannt, denn er sammelt Email-Müll, um herauszufinden, durch welche Methoden eine Email-Adresse in die Spammer-Listen gelangt. Clayton verwende in seiner Studie nur einen geringen Teil des Spam, der vor dem Eingang ins Postfach nicht durch „Greylisting“ gefiltert wurde. Da aber die meisten Enduser einen solchen Filter nicht verwenden, sei das Ergebnis nicht aussagekräftig genug. Seine Adresse stephan@spamschlucker.org wird Metz also nicht in xstephan@spamschlucker.org verwandeln.

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