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20:03, 30.08.10


Tantalus Rare Earths

Gebt uns mehr Aufsicht und Rat

Von Maximilian Pisacane

© Maximilian Pisacane

Statt auf das vielbeachtete Kurs-Gewinn-Verhältnis sollten Anleger bei Aktiengesellschaften mal über das Kurs-Komik-Verhältnis nachdenken. Die kleine Tantalus Rare Earths AG, die im Januar an den wenig regulierten Open Market ging, dürfte da dann unter die Top-Werte fallen. Dafür qualifizierte sich der auf Seltene Erden spezialisierte Explorer auf seiner ersten Hauptversammlung (HV).

Die Sitzplätze im Saal Berlin im Frankfurter Interconti sind fast alle belegt. „Von unseren circa 1500 Aktionären haben sich 36 zur Hauptversammlung angemeldet, gekommen sind 18“, verließt der Aufsichtsratsvorsitzende Mathias Stüfe das Zählergebnis um die Präsenz für die Hauptversammlung fürs Protokoll festzuhalten. Nach dem Verlesen der Tagesordnung wird Vorstand Wolfgang Hampel aus Madagaskar zugeschaltet. Er konnte nicht kommen, wegen zwei Todesfällen. Die Verbindung ist schlecht. Er liefert das, was sich die Aktionäre erhofft haben: positive Zahlen zu den Bohrungen

Stattliche Repräsentationskosten

Weniger positiv hören sich dagegen die Ergebnisse an: Kein Umsatz – das wäre für eine Explorationsfirma nichts Besonderes. Aber fast 283000 Euro Jahresverlust machte der Nebenwert. Zu einem großen Teil kommen die durch „sonstige Betriebliche Aufwendungen“ zustande. Im Geschäftsjahr fielen 64000 Euro für „Buchführung und Beratung“ an. Über die Hälfte davon – 36000 Euro – ging für Beratungsleistungen an Aufsichtratsmitglieder. Für „Vermittlertätigkeiten“ flossen nochmal 5000 Euro. Hinzu kommen 53000 „Repräsentationskosten“. Vorstand Andre Klupsch präsentiert jedenfalls seinen guten Geschmack: Er trägt eine Rolex GMT Master.

Wem das Grundstück mit dem Seltene-Erden-Vorkommen in Madagaskar gehört, in dem Tantalus tätig ist, will ein Aktionär wissen. Seltene Erden sind in der Industrie heiß begehrt. In vielen Hightech-Geräten sind sie unentbehrlich. Vorstand Klupsch muss auf die Frage erst den Vorstandschef Stephen Forman auf Englisch fragen. Der versteht die Frage erst falsch und spricht von 100-prozentigem Eigentum – meint aber damit die Lizenz, nicht das Grundstück. Das gehört weiter der Republik Madagaskar.

Die Kandidaten stellen sich nicht vor

Drei Vorstände hat Tantalus, sonstige Angestellte hat das Unternehmen laut Geschäftsbericht nicht. Dafür sollen sich zu den drei Aufsichtsräten drei weitere gesellen. Ihre guten Kontakte in der Branche werden als Grund ins Feld geführt. Selbst danach fragen können die Aktionäre die Kandidaten nicht. Sie sind gar nicht da. Ein Aktionär ärgert sich: „Es gehört sich eigentlich, dass sie sich vorstellen, wenn sie gewählt werden wollen.“ Und zur Sicherheit wird gleich beschlossen, eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung für die Aufsichtsräte abzuschließen.

Ein anderer Anteilseigner will wissen, ob Aufsichtsratsmitglieder Aktien oder Optionen erhalten. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats Mathias Stüfe antwortet charmant und freundlich: „Das ist keine Info, die wir geben müssen.“ Immerhin gesteht Vorstand Klupsch: „So viel ich weiß nicht. Ich jedenfalls nicht.“ Zehn Prozent vom Grundkapital ist aber Bedingtes Kapital, welches auch ausgeführt wurde: für Optionen für den Vorstand.

Lizenzen laufen schon in wenigen Jahren aus

Die Lizenzen laufen 2013 aus, können aber zwei Mal für jeweils drei Jahre verlängert werden. Also bis 2019. Ob das reicht? Minenexperten gehen für den Abbau von Seltenen Erden aber eher von 10 bis 15 Jahren aus. Denn diese Elemente kommen nur in geringer Konzentration vor, nicht vergleichbar mit einer Goldader.

Für das weitere Wachstum suche man nun Investoren. Doch eine Umsatzprognose bekommen die Aktionäre nicht. Wie denn dann ein Investor gefunden werden soll? Schließlich will der ja Zahlen haben. „Da der Prospekt gerade bei der BaFin liegt, können wir leider keine Prognosen abgeben, bis das Prüfungsverfahren durch ist“, so die kryptische Auskunft.

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