Steuerfahndung
Nur Krümel für die Filme?
Von Renate DaumAus brisanten Unterlagen zum Steuerstreit zwischen dem Filmfondsanbieter Hannover Leasing aus Pullach und der Steuerfahndung zitiert der Stern in seiner neuen Ausgabe (5/2012). Die Ermittler gehen von einer „verdeckten Festgeldanlage“ aus, die nur zum Schein mit der Herstellung von Filmen verknüpft worden sei. Es sei zwar Geld in die Produktion von Filmen geflossen, dabei habe aber nicht einmal die Absicht bestanden, Gewinne zu erzielen. Verluste dafür hätten daher nicht angesetzt werden dürfen. Hannover Leasing bestreitet das vehement und wehrt sich mit rechtlichen Schritten. Setzt sich der Staat mit seiner Ansicht endgültig durch, wäre das bitter für die Anleger, denn sie müssten hohe Nachforderungen ihrer Finanzämter begleichen.
Dem Stern liegt ein 124-seitiger strafrechtlicher Ermittlungsbericht vom 12. November 2010 vor, der auch auf die Rolle der finanzierenden Landesbank Helaba eingeht. Demnach blieb lediglich eine Minibeteiligung bei den Filmstudios hängen, der so genannte Barwertvorteil, der in einer „die Filmverträge überlagernden Geheimvereinbarung“ zwischen Fondshaus und Studio festgesetzt worden sei, so die Zeitschrift. Beim Fonds für den Film „I am Sam“ etwa, seien nur 2,3 Mio. Dollar bei der Filmproduktion geblieben. Dieser Betrag sei schon zu Beginn des Geschäfts fixiert worden. Einfluss hätten die Filmstudios nach Vertragsabschluss keinen mehr gehabt: Das Geld sei laut Ermittlungsbericht jeweils in der technisch kürzestmöglichen Zeit weitergebucht worden.
Streit um die Konstruktion der Fonds
Schon Ende 2011 hatte ein Funds Flow Memorandum über Geldflüsse bei diesem Fonds von für Irritationen gesorgt. Das Dokument listet Zahlungen des Fonds an den Produktionsdienstleister auf, der wiederum Geld an den Lizenznehmer weiterleitet. Von ihm fließen 50,7 Mio. Euro an die Helaba in Dublin, bezeichnet als Gebühr für die Schuldübernahme.
"Das Dokument belegt den geschlossenen Geldkreis. Die Anleger sind von Anfang an getäuscht worden", sagte der Rechtsanwalt Wolfgang Schirp. Die Helaba trage eine Mitverantwortung. Die Bank weist die Vorwürfe dagegen vehement zurück. Die Konstruktion sei von mehreren Gerichten als unbedenklich eingestuft worden. Von einer "unspektakulären Liste" spricht auch Hannover Leasing. Sie enthalte lediglich eine Zusammenstellung der zu leistenden Zahlungen. Daraus lasse sich aber nicht ableiten, dass Mittel aus dem Fonds an die Helaba gegangen seien.
Ungereimtheiten in den Zahlen der Academy-Filmfonds
Ärger hat nicht nur Hannover Leasing mit den Medienfonds. Desaströs fiel etwa die Betriebsprüfung der zwei Filmfonds MHF Erste Academy Film sowie MHF Zweite Academy Film aus. Demnach sollen in den USA entstandene Verluste in Deutschland überhaupt nicht abzugsfähig sein. In diesem Fall hatte der Filmversicherer Film Finances in einer Budgetaufstellung, den Geldzufluss von Academy I für den Film „Ballistic: Ecks vs. Sever“ nur auf sechs Millionen Dollar beziffert, das hätte lediglich ein Fünftel des Budgets entsprochen. Der Academy-Geschäftsführer hatte die Diskrepanz mit der Garantiefinanzierungsstruktur begründet. Diese hat an sich nichts mit der Produktion zu tun. Beim Academy II hatte der Finanzchef des Filmproduktionspartners einem Gericht erklärt, Academy habe etwa 11,5 Mio. Dollar auf Franchise-Konten für die Produktion zweier Filme bereitgestellt. So geringe Filmbudgets tauchten aber nicht in den Academy-Unterlagen auf.
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