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15:45, 29.10.07


Außer Spesen nix gewesen



SCHÄDEN IN MILLIARDENHÖHE entstehen jährlich in Deutschland durch unseriöse Praktiken auf dem Kapitalmarkt. Ein Teil des Marktes zeichnet sich dadurch aus, dass Unternehmen ihre Kunden unerlaubt über das Telefon akquirieren (Cold Calls), verlockend hohe Renditen „garantieren“, Phantasieprodukte anbieten, ihren Firmensitz im Ausland haben oder Geschäfte dorthin vermitteln. Viele dieser Firmen verlangen jedoch so hohe Gebühren, dass kaum Gewinnchancen bestehen. Häufig kommt es sogar zum Totalverlust der eingesetzten Gelder. Regelmäßig veröffentlicht BÖRSE ONLINE in Zusammenarbeit mit auf Kapitalanlagerecht spezialisierten Rechtsanwälten den Graumarktreport und die Graue Liste mit Firmen, die durch eines oder mehrere der genannten Kriterien oder andere ungewöhnliche Umstände aufgefallen sind.

Obwohl Optionsvermittler seit 1998 einer staatlichen Aufsicht unterstellt sind, beklagen sich Anleger immer wieder über Probleme. Wie die folgenden Beispiele zeigen, sind die Gebühren teilweise so hoch, dass Gewinne praktisch unmöglich werden.

Die CIT Management GmbH, Kaarst- Holzbüttgen, stellt ihren Kunden eine „Dienstleistungsgebühr“ von 7,5 Prozent in Rechnung. Daneben wird eine Kommission von 120 Dollar je gehandeltem Kontrakt erhoben. Zudem wird eine Gewinnbeteiligung von 15 Prozent einbehalten. Dass trotzdem die Leistung nicht stimmt, verdeutlicht der vorliegende Fall: Ein Anleger verlor durch nur drei Transaktionen seinen gesamten Einsatz in Höhe von 35 000 Mark.

Auch die Agentur I. Bauer, Neuss, berechnete einem Kunden schon bei der Einzahlung über 50 000 Mark Gebühren. Neben diesem zehnprozentigen Disagio fielen noch 124 Dollar je gehandelten Optionskontrakt an. Bei diesem Investor wurden in rund einem Jahr mehr als 900 Kontrakte gehandelt, die mit mehr als 200 000 Mark Kommissionsgebühren zu Buche schlugen. Er verlor fast seinen gesamten Einsatz.

Mit ungebetenen Telefonanrufen wirbt die Bloomfield AG aus Zürich in Deutschland um Kunden. Wie der Münchener Rechtsanwalt Peter Mattil BÖRSE ONLINE mitteilte, wurde ein Anleger durch „Churning in massivem Ausmaß“ (Erläuterung siehe Kasten) geschädigt. Die Firma verspielte rund 1,2 Millionen Mark innerhalb von drei Monaten und berechnete dabei 900 000 Mark Kommissionen.

Einen ebenfalls erheblichen Kapitalschaden erlitt ein Kunde der Manfred Wagner Finanzvermittlung aus Kleve. In wenigen Monaten setzte er mehr als eine halbe Million Mark in den Sand – und damit fast seinen gesamten Einsatz. Dem Juristen Franz Marzillier aus München gelang es, gegen die Firma ein Urteil zu erstreiten, in dem das Gericht feststellte, dass der Kunde nicht ausreichend über die Risiken von Optionsgeschäften aufgeklärt worden sei und daher die Gelder zurückerstattet bekommen solle.

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