Direktbeteiligungen
Viele Quellen sprudeln nicht wirklich
Mitch Little macht der hohe Ölpreis zu schaffen – allerdings aus einem ganz speziellen Grund. „Ein Preis von 100 Dollar treibt Promotern von Erdölquellen Kunden in die Arme“, befürchtet der Anlegeranwalt von der Kanzlei Scheef & Stone in Dallas, Texas.
Die Idee, von hohen Notierungen für den Rohstoff zu profitieren, statt sich bei jedem Besuch an der Tankstelle zu ärgern, ist verlockend. Ölprojekte sind aber als Geldanlage hochriskant. Es gibt Fehlversuche, versiegende Quellen, Schäden durch Sand- und Wassereinbrüche.
In den Vereinigten Staaten haben halbseidene Angebote für Investments in Öl- und Gasquellen eine hundertjährige Geschichte. Und auch in Deutschland gab es schon Skandale um Ölgesellschaften wie den Pleite-Fall Mega-Petrol. „Ein seriöses Beteiligungsangebot für Privatanleger zu finden gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, warnt Little, der Dutzenden amerikanischen Anlegern geholfen hat, ihr Geld zurückzuerhalten.
Die dreistesten Anbieter sammeln viel Geld für nicht existierende Projekte oder bohren ein trockenes Loch. Reinfälle erleben Anleger auch mit schlüsselfertigen Bohrvorhaben, den „Turnkey-Projekten“. Promoter nutzen den Umstand, dass Privatanleger nur schwer überblicken können, was Förderungen tatsächlich kosten. Sie sammeln ein Vielfaches des wirklich benötigten Geldes ein. Nur einen kleinen Teil investieren sie, der Rest fließt in ihre Tasche. Ein paar Schecks werden an Anleger verschickt – so bleiben die fürs nächste Projekt bei der Stange, wenn man das aktuelle Vorhaben für gescheitert erklärt.
In Dallas sitzen nach Littles Angaben mehr als 50 Unternehmen, die Bohrungen aus Anlegergeldern finanzieren – viele unseriös. „Dallas ist das Paradies für Öl- und Gasabzocke“, sagt er. Ein professionell wirkender Prospekt heißt nicht viel: „Auch zweifelhafte Angebote verstecken sich hinter dem Schleier der Rechtschaffenheit“, warnt der erfahrene Anwalt. Manche Firma befolgt nicht einmal formale Vorschriften solcher Offerten. „Ist ein Unternehmen aus Texas dort nicht als Anbieter solcher Beteiligungen registriert, sollte man die Finger davon lassen. Es will nicht auf dem Radar erscheinen.“
Amtex aus Dallas sammelt in Deutschland Geld ein
Vorsicht ist bei Öl- und Gasbeteiligungen daher in jedem Fall ein guter Ratgeber. Das trifft auch auf Angebote für Privatanleger in Deutschland zu. Fragen bleiben etwa bei der Amtex Oil & Gas Inc. aus Dallas, Texas, die über die Amtex GmbH in Hamburg erreichbar ist. Ihr Katalog wirkt solide: seitenlange Erklärungen über das Ölgeschäft. Keine Gewinnversprechen, kein Druck zum hastigen Abschluss. Die Quellen in den USA lassen sich besichtigen, die geförderten Mengen unabhängig überprüfen.
Am Telefon sagt Amtex-Vorstand Dirk Rosinski, die Anleger erwirtschafteten eine Rendite ab 16 Prozent pro Jahr. Über 80 Prozent aller Kunden hätten als „Wiederholungstäter“ mehr als eine Beteiligung gezeichnet.
Der Vorstand erklärt: „Wir sammeln in den USA auch Gelder ein, aber der Bedarf in Deutschland ist einfach größer.“ Amtex ist aber nicht als Anbieter in Texas registriert. Rosinski teilt auf Nachfrage nach den Gründen mit, ein Partnerunternehmen vermarkte die Beteiligungen in den USA. Den Namen nennt er nicht.
Derzeit bietet Amtex eine Beteiligung an sechs Bohrungen im Paket an, vier in der Barnett-Shale-Formation in Texas und zwei in Oklahoma. 4,6 Millionen Dollar Anlegergeld will Amtex einsammeln und selbst die gleiche Summe investieren. Eine Bohrung koste 2,3 Millionen Dollar. Beim aktuellen Angebot lockt Rosinski: „Es gibt kaum Risiko, weil wir Erweiterungsbohrungen machen.“
Das texanische Schiefergebiet Barnett Shale ist reich an Erdgas und Erdöl. Viele Gesellschaften sind oder waren dort aktiv, über etliche finden sich in Anleger-Foren im Internet bitterböse Kommentare.
Der Charme des Gebiets für seriöse wie unseriöse Unternehmen: Fast bei jeder Bohrung wird man fündig. Der Aufwand variiert aber gewaltig. Es gibt einfache Anlagen für wenige hunderttausend Dollar, aber auch komplexe Vorhaben mit Kosten in Millionenhöhe.
Rechtsanwalt Little rät jedem Interessenten daher, sich vor einem Investment einen Kostenvoranschlag für jede Quelle zeigen zu lassen. Nur wer die AFE, die „Authorization for Expenditure“, vorliegen habe, könne beurteilen, ob die veranschlagte Summe gerechtfertigt ist.
© 2008 boerse-online.de








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