Finanzagenten
Geld waschen auf frischen Konten
Von Renate Daum„Financial Agents“ waren ein großes Thema für das Bundeskriminalamt (BKA) und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) im Jahr 2010. „Financial Agents“ sind Personen, die ihr Konto gegen Provision für die Abwicklung von finanziellen Diensten zur Verfügung stellen.
Jede vierte der 9046 Geldwäscheverdachtsanzeigen im Jahr 2009 hatte mit Finanzagenten zu tun. Das ergibt sich aus dem Jahresbericht des Financial Intelligence Unit Deutschland (FIU) des Bundeskriminalamts. Der Trend ist ungebrochen: Allein im ersten Halbjahr 2010 seien 1356 Verdachtsanzeigen mit Financial Agents eingegangen, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke bei der Vorstellung des Berichts in Frankfurt. „Bürger, die sich dafür anwerben lassen, werden in strafbare Handlungen hineingezogen“, warnte er.
Kaufagenten und Manager für Zahlungsbearbeitung gesucht
Die Täter haben dabei ihre Vorgehensweise leicht geändert. Früher warben sie etwa über Emails Bürger als Finanzagenten an, überwiesen ihnen Geld aus Straftaten und baten sie, die Summen abzüglich der Provision über Bargeldtransfersysteme wie Western Union ins Ausland zu schicken.
Nun beobachten die Ermittler, dass die angeworbenen Finanzagenten auf Anweisung ihrer Auftraggeber neue Konten eröffnen und von dort aus weiter transferieren. Die FIU hat allein 2009 510 solche Fälle beobachtet, im Jahr zuvor waren es nur 120 gewesen. Geändert haben sich auch die Empfängerländer. Bislang waren vor allem osteuropäische Staaten das Ziel, nun sind Spanien, Griechenland und die Türkei hinzugekommen.
Die Bürger werden auch zu neuen Tätigkeiten angeworben. Gefragt sind nun auch sogenannte Kaufagenten. Sie sollen mit dem überwiesenen Geld hochwertige Waren und Güter erwerben und versenden. Doch das Geld stammt aus „Phishing-Attacken“ auf Bankkonten. Außerdem werden Leute über das Internet als „Repräsentant und Manager für Zahlungsbearbeitung und Warenverkehr“ geworben. Sie sollen Vouchers kaufen. Diese Gutscheine sind PIN-Codes, die als Zahlungsmittel genutzt werden können. Sie sollen an eine Email-Adresse weitergeschickt werden.
iTan-Verfahren mit Schadsoftware ausgehebelt
Die FIU sieht zwei Hauptgründe für den rasanten Anstieg der Anzeigen mit Finanzagenten. Die Banken zeigten mehr solche Fälle an, da sich Phishing-Transaktionen leichter als Betrugshandlung identifizieren ließen und rückabgewickelt werden könnten. Zudem sei es den Tätern gelungen, auch das iTAN-Verfahren mittels neuer Schadsoftware auszuhebeln, so dass sich die Zahl der Phishing-Fälle signifikant erhöht habe. BKA-Präsident Ziercke geht von 2,5 Millionen angegriffenen Rechnern in der Bundesrepublik aus.
Bei der Anwerbung bedienten sich die Täter verstärkt „Social-Engineering-Methoden“, bei denen potenzielle Finanzagenten persönlich und emotional mit Begründungen angesprochen würden, denen sie sich schlecht entziehen könnten.
© 2010 Börse Online = Börse Online, © Bild: www.flickr.com









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