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09:49, 23.10.09


Madoff-Betrug

Partyfreuden im Nordpol

Von Christian Kirchner

Bernard Madoff

© dpa
Bernard Madoff

Eine Anwaltskanzlei beschuldigt Banken und Prüfer der Mittäterschaft am Madoff-Betrug – und skizziert Madoffs Firma als grotesken Sündenpfuhl.

War es eine letzte heldenhafte Tat? Oder doch eher die Angst, dass Ermittler zu tief in dem Schlamm wühlen, der unweigerlich entsteht, wenn ein Milliardenbetrüger über zwei Jahrzehnte ein 65-Mrd.-$-Schneeballsystem betreibt? Beharrlich vertrat der im Juni zu 150 Jahren Haft verurteilte Bernard Madoff jedenfalls die These, dass er selbst ein Einzeltäter war.

Doch diese Version der Geschichte bekommt immer größere Risse. Die Anwaltskanzlei Cotchett, Pitre & McCarthy aus San Francisco hat in New York nun eine Klageschrift eingereicht. Darin beschuldigen sie unter anderem die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, die Banken  JP Morgan Chase und BNY Mellon sowie zwölf weitere Institute und Personen, früh von dem Schneeballsystem gewusst zu haben.


Dass sie nah dran am Geschehen ist, belegt die Kanzlei in der 272 Seiten starken Klageschrift mit einer Fülle an Details, die die Anwälte auf Basis von Befragungen von Ex-Mitarbeitern und sogar Madoff selbst in der Haft liefern. Demnach ist Madoffs New Yorker Büro in der Third Avenue ein häufiger Schauplatz von Orgien des Chefs und seiner Angestellten gewesen, in denen Drogenmissbrauch, die Bestellung von Prostituierten und halb nackten Servicekräften an der Tagesordnung gewesen sein sollen. In Anlehnung an den exzessiven Kokainkonsum habe das Büro unter Angestellten unter dem Spitznamen „Nordpol“ fungiert, und ein beliebter Ort für vertiefende Gespräche sei das Sofa des Chefs persönlich in Madoffs Büro gewesen. So weit also alles wie in einer ganz normalen Investmentbank.

Sprengstoff birgt das Dokument dennoch: Den beschuldigten Banken wirft die Kanzlei vor, die wichtigsten Konten Madoffs geführt und ihm beim Transfer von Geldern zwischen New York und einer in London ansässigen und von KPMG geprüften Niederlassung seines Imperiums geholfen zu haben. Diese soll die Hauptrolle in Madoffs fiktiven Transaktionen gespielt haben. Es sei ein Ding der Unmöglichkeit, dass Geschäftspartner angesichts der Größe und Dimension des Betrugs nicht erkannt haben, schreiben die Anwälte.

Schlimmer noch: Ab Mai 2006, spätestens jedoch ab Sommer 2008 seien Madoffs engste Partner gewarnt worden, dass sie ihre Piepen in Sicherheit bringen müssen. Die beschuldigten Banken und KPMG lehnten gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters eine Stellungnahme ab.

Zum Kronzeugen könnte ausgerechnet Madoffs langjähriger Assistent Frank DiPascali werden, der sich im August schuldig bekannte – und ankündigte, im Rahmen seines Prozesses auch Namen von Mitwissern zu nennen.

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