Phoenix Kapitaldienst
Entschädigung löst Panik aus
Von Tobias KaiserGeprellte Anleger der Phoenix-Kapitaldienst sollen ab Mai 2008 entschädigt werden. Diese Ankündigung der gesetzlichen Entschädigungseinrichtung hat unter Wertpapierhändlern offenbar Panik ausgelöst. Und während die Anleger vermutlich noch lange auf eine Entschädigung warten dürfen, erleben sie gleichzeitig die langsame Demontage einer Säule der Einlagensicherung.
Die gute Nachricht für die rund 30.000 geschädigten Anleger der betrügerischen Phoenix-Kapitaldienst kam in der Woche vor Weihnachten. Die Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW) gab bekannt, sie werde im Mai 2008 mit der Auszahlung erster Entschädigungen an die Phoenix-Anleger beginnen. Die EdW, bei der seit 1998 alle Wertpapierhandelsunternehmen Pflichtmitglieder sind, soll vor allem Kleinanlegern einen Mindestschutz vor Verlusten aus Wertpapiergeschäften bieten.
Allerdings bringt der Fall Phoenix die Entschädigungseinrichtung an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Die EdW muss die von der Phoenix-Pleite betroffenen Anleger bis zur gesetzlich vorgeschriebenen Höchstgrenze von 20.000 Euro für ihre Verluste entschädigen. Allerdings verfügt EdW gerade einmal über fünf Millionen Euro und muss daher die nötigen 180 Millionen Euro bei ihren Mitgliedern einsammeln. Auf die 750 EdW-Mitglieder, die in den Entschädigungstopf einzahlen, kommen deshalb saftige Nachzahlungen zu. Im Gespräch sind diese Nachzahlungen schon lange; am 19. Dezember begann die EdW, die Forderungen zu verschicken.
Damit hat die Entschädigungsreinrichtung unter den betroffenen Instituten offenbar eine regelrechte Panik ausgelöst. Zu den EdW-Mitgliedern gehören neben Vermögensverwaltern auch Fondsgesellschaften und Wertpapierhandelsbanken. Sie und andere Zwangsmitglieder wollen – durchaus nachvollziehbar – nicht für Schäden aufkommen, die kaum regulierte betrügerische Unternehmen verursacht haben. Einige der kleineren EdW-Mitglieder reklamieren, dass die damit auf sie zukommenden Lasten für sie kaum zu schultern sind. Deshalb suchen die betroffenen Unternehmen nach Auswegen; viele überlegen bereits, ins Ausland zu gehen, oder mit ausländischen Unternehmen zu fusionieren.
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