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12:03, 24.09.09


Schrottimmobilien

Anpirschen auf der Party

Von Renate Daum


„Schrottimmobilien 2.0“ haben drei renommierte Anlegeranwälte eine neue Variante beim Vertrieb überteuerter Wohnungen getauft. Denn Zielgruppe ist diesmal vor allem die mit dem Web und seinen Möglichkeiten aufgewachsene Generation der Berufseinsteiger. Angesprochen werden sie vorwiegend in lockerer Atmosphäre, etwa auf Partys oder in Diskotheken.

Die Masche beschreiben die drei Anwälte Gerhart Baum, Julius Reiter und Olaf Methner in ihrem Buch „Abkassiert. Die skandalösen Methoden der Finanzbranche“. Viel verdienen die Jungen Leute in der Regel nicht, das Geld ist knapp. Gerade das nutzen die Vertriebler aus. Sie packen die Opfer „an ihrer empfindlichsten Stelle“, wie die Autoren schreiben. Am Anfang wären vielleicht ein paar zusätzliche Euros fällig, die aber durch Steuerersparnisse aufgefangen würden, und schon bald wäre mit Auszahlungen zu rechnen.

Käufer soll zuerst beim Notar sein Angebot abgeben

Profis sorgten für alles, die Mieten seien garantiert, wird gelockt. Handschriftlich rechnen die Vertriebsmitarbeiter bei späteren Hausbesuchen vor, wie prima sich der Wohnungskauf rechne. Die Zettel nimmt er aber später, wie beiläufig, wieder mit, ebenso wie Unterlagen der Interessenten. Wenig später melde er sich mit einem idealen Angebot. Wegen der vielen Interessenten müsse die Sache aber schnell gehen.

„Besonders dreiste Vermittler lassen die Selbstauskunft für die Bank sogar blanko mit dem freundlichen Hinweis unterschreiben, auch die Erledigung dieser lästigen Formalie gehöre zum Service“, schreiben die Anwälte. So mancher Kunde ist später überrascht, welche stolzen Vermögenswerte er angeblich besitzt. Er muss dann aber eigentlich schon froh sein, wenn ihn die Kredit gebende Bank nicht anzeigt wegen falscher Auskünfte.

Trickreich ist auch das Vorgehen beim Notar. Bei den meisten dieser Verträge handele es sich um eine so genannte „gespaltene Urkunde“. Dabei unterzeichnet der Käufer in einem ersten Notartermin das Angebot, wobei ihn der Vermittler oft glauben lässt, es handele sich lediglich um eine Reservierung des Objekts. Der Verkäufer unterzeichnet später in einem gesonderten Notartermin. „Ein böses Erwachen gibt es für die Immobilienkäufer spätestens dann, wenn sich die Berechnungen des Vermittlers als völlig falsch erweisen“, warnen die Anwälte. Wer sich wegen Täuschung an den Vermittler wende, habe meist kaum eine Chance. In vielen Fällen existierten die Firmen nur so lange, bis alle von ihnen angebotenen Wohnungen verkauft seien.

Vorgestellt wird das Buch» "Abkassiert" unter dem Menüpunkt "Wissen".

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