HAG - Hanseatische AG
Graues Netz mit grünem Anstrich
Von Nadine Oberhuber1989 – 1997
Im Krimi heißt es so schön: Die meisten Täter kehren früher oder später an den Ort des Geschehens zurück. Bei manchen Grauen Stars ist es genauso. Es gibt nämlich ein paar alte Bekannte in der Szene – Günter Wagner ist einer davon. Sein mächtiges Firmenimperium, die Hanseatische Aktiengesellschaft (HAG), ging 1997 spektakulär pleite. Es ließ rund 30.000 geprellte Anleger zurück, die seither wenigstens auf die Teilrückzahlung ihrer Verluste in dreistelliger Millionenhöhe warten. Und wohl noch lange warten werden. Doch der Konkurs der HAG war nicht der erste große Coup des Wagner-Clans. Und es könnte sein, dass es auch nicht der letzte war.
Die Ermittler staunten über merkwürdige Kapitalverflechtungen
Eigentlich hätten viele Leute von Anfang an skeptischer sein müssen. Denn schon 1975 kam der Physiker Günter Wagner mit seinem ersten Unternehmenskonstrukt in Konflikt mit dem Gesetz. Es ging um Auslandsgeschäfte und Unternehmensbeteiligungen unter anderem bei der Firma mit dem wohl exotischten Namen der deutschen Graumarktszene, der „Kamerun-Eisenbahn-Gesellschaft“. Und es ging um „Wagner Computer“ in Berlin. Schon damals staunten Ermittler und Medien über „merkwürdige Kapitalverflechtung“ der Wagner-Unternehmen. Der Vorwurf gegen deren Chef lautete, er habe 3000 Investoren durch Untreue und Betrug um ihr Geld gebracht. Auch damals schon sollen es Millionenbeträge gewesen sein. Dafür verurteilte ihn ein Gericht 1978 zu sechs Jahren Haft. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil jedoch ein Jahr später auf. Wagner verschwand daraufhin zunächst von der Bildfläche.
Offenbar fand er, dass 1989 genug Gras über die Sache gewachsen sei. Denn in dem Jahr gründete er die Hanseatische AG mit den angeschlossenen Unternehmen C.S.T Umwelttechnik und Innovation eG, EuroKapital AG und der Euro Energie Gruppe. Die Geschäftsidee der drei Unternehmen kam gut an und klang ehrenhaft: Sie wollten „marode ostdeutsche Kraftwerke sanieren und zugleich zahlreiche Arbeitsplätze erhalten“, sie wollten auch umweltfreundliche Kraftwerke bauen und sich dem Bau von Windkraftanlagen widmen. Mit solchen Worten warben sie zum Beispiel für ihre Beteiligungen, die jährlich eine garantierte Verzinsung versprachen. Nicht nur die Anleger sprangen auf den Ökozug auf. Auch Landesregierungen vertrauten dem Konzept des Firmengründers Günter Wagner. Rund die Hälfte der eingesammelten 400 Millionen Mark kam aus öffentlichen Fördermitteln.
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