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Serie: "Dicke Dinger - Größte Fälle der letzten Jahrzehnte"



14:04, 02.07.08


Herstatt Bank

Dany Dattel und die DM-Deals

Von Sabine Gusbeth

1955 - 1974

September 1972: Die Devisengeschäfte bei der Kölner Privatbank Herstatt laufen hervorragend. Im Jahr zuvor war der bis dato fixe DM-Wechselkurs freigegeben worden. Spekulationen auf die Wertentwicklung ausländischer Währungen, insbesondere des Dollars, scheinen eine unerschöpfliche Geldquelle zu sein. Herstatts Chefdevisenhändler Daniel, genannt Dany, Dattel, damals Mitte Dreißig, jongliert mit Milliardenbeträgen. Schwankt der Dollarkurs um nur einen Prozentpunkt, bedeutet dies Gewinne oder Verluste in zweistelliger Millionenhöhe. Dany Dattel gewinnt. „Goldjunge“ nennt ihn Bankchef Iwan Herstatt.


© Oliver Schuck

Iwan David Herstatt kaufte mit der Hilfe seines Jugendfreundes Hans Gerling am 2. Juni 1955 das Bankhaus Hocker, ehemals Herstatt, zurück. 1792 hatte es sein Ur-Ahn Johann David Herstatt gegründet. Gerling ist mit 81,4 Prozent Hauptaktionär und Aufsichtsratsvorsitzender der Privatbank I.D. Herstatt KGaA, Iwan Herstatt kümmert sich als Direktor um die Bankgeschäfte. Als Inhaber eines riesigen Versicherungskonzerns verfügt Gerling über das nötige Kleingeld und Herstatt über die unerlässlichen Kontakte. Bei über 80 Vereinen soll er aktiv gewesen sein, „oft als Schatzmeister“, wie sich Herstatts früherer Anwalt in einem Zeitungsinterview erinnert. So sorgte er dafür, „dass die Clubs ihr Geld bei seiner Bank anlegten“. „Iwan, der Große“ wird der 1,96 Meter große Hüne mit einem Körpergewicht von 130 Kilo genannt.

Vereine, Kirchen, Bordelle, Verlage und sogar andere Banken – alle deponieren ihr Geld bei Herstatt. Denn hier sind die Zinsen immer ein bisschen besser als bei der Konkurrenz. Woher das kommt, hinterfragt niemand. Zwischen der Übernahme 1955 und dem Jahr 1973 steigert Herstatt die Bilanzsumme von 5 Millionen auf zwei Milliarden Mark. Dazu trägt auch Goldjunge Dany Dattel bei. 24 Milliarden Mark setzen Dattel und seine sechs jungen Händler, alle Anfang Zwanzig, mit Devisentermingeschäften 1973 um, schreibt das Handelsblatt.

Alle spielen mit im Herstatt-Kasino

Nicht nur die Kunden der Bank wollen einen Teil des scheinbar unendlich wachsenden Devisenkuchens. Bankchef Herstatt ermutigt seine Mitarbeiter mitzuzocken. Sie setzen ihr Geld und das ihrer Freunde und Verwandten auf die Wette mit den schwankenden Wechselkursen. In einem Radiointerview beschreibt der ehemalige Oberstaatsanwalt Alfred Leu später: „So kasinoartig wurde da gespielt. Es war den Angestellten erlaubt, Eigengeschäfte zu machen.“ Mit Erfolg: „Der Spiegel“ berichtet von einer Sekretärin, die 1973 100.000 Mark gewinnt, Lehrlinge fahren bei Herstatt im  Porsche vor.

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