Phoenix Kapitaldienst
Anleger verlieren ihre Zukunft
Von Tobias KaiserIn der Stadt Schmalkalden hat wohl die Hälfte aller Haushalte durch Phoenix Geld verloren. Wer sich hier und in den Nachbarorten umhört, versteht, wie und warum Bürger zu Opfern von Betrügern werden.
Hier lief ein großes Ding
Martin Kaiser und seine Frau Michaela erkennen eine Chance, wenn sie eine sehen. Kaisers Familie backt seit1896 Brot und Gebäck für das Städtchen Brotterode im Thüringer Wald. Nach der Wende haben Kaisers hart gearbeitet, um die alte Familienbäckerei in die neue Zeit zu führen.
Sie haben fast 500.000 Mark in neue Öfen und Knetmaschinen gesteckt, ein weiteres Café in dem Ort eröffnet und einen Kombi gekauft, aus dem sie in den umliegenden Dörfer Plunderteilchen und Brot verkaufen. Direkt nach der Wende gab es in Brotterode fünf Bäcker; heute sind nur noch Martin Kaiser und ein Kollege übrig. Auch wegen der Bäckerei Kaiser, sagen die Leute im Ort - er war einfach zu erfolgreich.
Brotterode ist ein kleiner Ort, was einmal gesagt ist, kann ein Leben lang hängen bleiben. Umso erstaunter waren Kaisers als Ende der Neunziger Jahre Verwandte und Bekannte immer öfter über Geld redeten - ihr eigenes Geld. Alle hatten in ein Produkt investiert hatten, das Phoenix Managed Account hieß. Ein Onkel hatte seinen Einsatz dabei verdoppelt. Die Aushilfe im Laden erklärte Kaisers, dass es dabei um Optionsscheine ging; sie selbst habe schon angelegt.
Dem Ehepaar war klar: Hier lief ein großes Ding, und sie wollten auf jeden Fall dabei sein. Sie investierten einen Teil ihrer Altersvorsorge, insgesamt mehrere zehntausend Euro. Heute ist das Geld weg, so wie das von Nachbarn, Freunden und Verwandten. Und niemand spricht mehr offen über die Phoenix-Konten.
System war eiskalter Betrug
Phoenix Kapitaldienst aus Frankfurt am Main warb ab November 1992 damit, Kleinanlegern Geschäfte zugänglich zu machen, von denen sonst nur Großanleger wie Banken und Hedgefonds profitieren konnten. Mit dem Versprechen, jedes Jahr mit Spekulationen bis zu 30 Prozent Rendite zu erreichen, sammelte Phoenix Kapitaldienst mehr als 800 Millionen Euro bei rund 30.000 Anlegern ein.
Heute ist das Geld der Kaisers weg, so wie das von Nachbarn, Freunden und Verwandten. Die hohen Gewinne, über die auch die Anleger in Brotterode begeistert gesprochen hatten, existierten nur auf dem Papier; Kontoauszüge, die das Vermögenswachstum dokumentierten, waren schlicht gefälscht. Anstatt auf den Terminmärkten rund um den Globus für die Anleger zu arbeiten, ruhten Teile des eingezahlten Geldes auf Festgeldkonten bei der Frankfurter Sparkasse. Im Laufe der Jahre ähnelte die Firma immer stärker einem Schneeballsystem, bei dem neue Beiträge der Anleger dazu dienten, entstandene Lücken zu stopfen.
Ein Todesfall war der Anfang vom Ende für das kunstvolle Gebilde aus Scheingeschäften. Firmengründer Dieter Breitkreuz stürzte kurz vor Ostern 2004 mit seinem Privatflugzeug auf einem Schweizer Golfplatz ab. Nach seinem Tod liefen die Geschäfte von Phoenix Kapitaldienst noch ein gutes Jahr weiter, bis im März 2005 die Phoenix-Geschäftsführerin Insolvenz anmeldet. Offenbar war der Geldverschiebebahnhof an seine Grenzen gestoßen.
© 2008 boerse-online.de, © Bild: Peter Hirth/ transit-Archiv










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