Interview
Post aus Nigeria
Von Nadine Oberhuber
© Henning Wagenbreth
Betrugsmails können zu Kunst werden, denn kaum etwas fasziniert Künstler so, wie Kriminelle und deren Methoden. Henning Wagenbreth, Professor der Visuellen Kommunikation an der Universität der Künste Berlin, hat aus den Mails der Nigeria-Connection ein Comic-Buch gemacht.
BÖRSE ONLINE: Herr Wagenbreth, sind Sie mal Betrügern auf den Leim gegangen?
Henning Wagenbreth: Nein, aber ich habe etliche Mails von ihnen gekriegt. Die erste kam 1998. Mir schrieb darin angeblich der Sohn eines reichen Kakaohändlers, der Probleme hatte, an sein Erbe zu kommen. Zuerst habe ich mich gewundert und wollte sie löschen. Dann fand ich sie abenteuerlich, habe sie in einen separaten Ordner verschoben und aufgehoben. Ich dachte, dass man damit später mal etwas machen müsste.
BÖRSE ONLINE: Was denn, andere Leute abzocken...?
Wagenbreth: Das natürlich nicht. Zuerst konnte ich mit der Mail noch nichts anfangen. Ich habe sie nur gesammelt und ausgedruckt. Aber ich bekam immer mehr davon und habe mich dann über die Nigeria-Connection informiert: Die Masche gibt es ja schon viel länger. Ein paar Leute haben mir erzählt, dass sie solche Briefe früher per Post bekommen haben, mit tollen afrikanischen Briefmarken drauf. Später schickten die Abzocker Faxe und erst seit einigen Jahren kursieren sie als eMails. Allerdings massenhaft: Ich habe seitdem bestimmt hunderte bekommen.
BÖRSE ONLINE: Weil die Betrüger Sie für ein ideales Opfer hielten? Oder wie ist die Nigeria-Connection gerade an Sie geraten?
Wagenbreth: Ich hatte schon früh eine eigene Website und verlinkte von dort zu meiner eMail-Adresse. Inzwischen weiß ich, dass es Scan-Programme gibt, die solche Adressen automatisch im Netz aufspüren und sie dann mit Mails bombardieren.
BÖRSE ONLINE: Spam schwappt in jedes Postfach massenhaft, aber was hat Sie denn an dieser ersten Nigeria-Mails so fasziniert?
Wagenbreth: Sie war so merkwürdig im Tonfall. Es gab auch schon sehr viel Spam zu der Zeit, selbst Finanzabzocke, aber diese Mail war anders: so reich an Informationen, in einem kolonialen Ton und in altertümlichem Englisch gehalten. Das hat mich fasziniert. Ich war schon mal in Afrika, die Menschen dort sprechen einfach so, dass es für unsere Ohren alt klingt. Es ist das Devote, fast Anbiedernde in ihrem Tonfall.
© 2007 boerse-online.de, © Bild: Henning Wagenbreth








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