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10:10, 29.02.08


Psychogramm

Der Gemeinderat-Abzocker

Von Nadine Oberhuber


Er wirkt eher bescheiden und ist bereits gesetzten Alters. Er ist ein vertrauenserweckender Mensch, der am Heimatort der Kunden agiert, dort sein Geschäft hat und auch bekannt ist, weil er aktiv am Gemeinde- und Vereinsleben teilnimmt.

Meist ist er ein typischer Bankmitarbeiter, der sich - um die Altersgrenze von 40 Jahren herum - als freier Vermögensberater niedergelassen hat. Er ist also in der Regel schon etwas älter, was seine vermeintliche Kompetenz und Seriosität noch unterstreicht. Die Kunden kennen ihn meist auch aus Vereinen, der Gemeindearbeit, von Kirchenkreisen oder aus dem Sportclub. Daher kommen sie oft nicht auf die Idee, dass an seinen Empfehlungen etwas falsch sein könnte.

Oft lassen sich Betrüger selbst in Notlagen anwerben

Das heißt aber nicht, dass die Gemeinderatsbetrüger immer vom Fach sein müssen. Oft lassen sich die späteren Betrüger auch von dubiosen Strukturvertrieben anwerben, wenn sie selber in einer Notlage stecken. Sie verkaufen dann deren Produkte und wissen manchmal selbst nicht so genau, in welche Fänge sie geraten sind.

Es sind gewöhnlich alle Bildungsschichten im Kreise der Gemeinderatsbetrüger vertreten.

Klassische Gemeinderats-Betrüger sind meist unauffällige Geschäftsleute, die tatsächlich seriös begonnen haben. Am häufigsten treten sie auf der Ebene der Finanzvermittler auf, nur vereinzelt ziehen sie auch selber ganz große Geschäfte auf. Meist stehen aber die tatsächlichen Drahtzieher, die Abzocke im ganz großen Stil betreiben - wie die Initiatoren der Strukturvertriebsorganisation - noch hinter ihnen.


Es gibt sogar einige Fälle, in denen solche Vermittler aus der zweiten Reihe nicht einmal etwas von den grauen Geschäften im Hintergrund gewusst haben. Zumal sie das System wegen ihrer mangelnden Fachkenntnis auch nicht komplett durchschaut haben. Sie waren wirklich davon überzeugt waren, ihren Kunden seriöse Angebote zu unterbreiten.

Durch ihre Aktivität vor Ort sind die Gemeinderats-Betrüger natürlich einem großen Menschenkreis bekannt. Das nutzen sie für ihre Geschäfte: Ihre Kunden rekrutieren sie meist über Mund-zu-Mund-Propaganda.

Wenn sie später gefragt werden, was die Auslöser für ihr Verhalten waren, betonen sie, immer wieder ihre ursprünglich ehrenwerten Motive und schieben den Grund für ihre Taten auf die Behörden und Gesetze ab: Die seien eben zu schlecht, um unlautere Taten zu unterbinden und dürften sich daher nicht wundern.

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» Der Gentleman-Betrüger
» Das klassische Opfer
» Die Täter - ein Psychogramm

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