Bodo Schnabel - ComRoad-Gründer
Neuer Markt macht erfinderisch
Von Nadine Oberhuber*1951
Die Meldung verbreitete sich im Internet fast so schnell wie ein Computervirus: Er ist wieder da. „Bodo is back“, schrieb der Nutzer eines Internetforums und versetzte damit die Community in Aufruhr. „Der hat mich genug Geld gekostet!“ So oder ähnlich wetterten die meisten Mitredner, als sie von seiner Rückkehr Wind bekamen. Das stimmt, denn Bodo A. Schnabel hat als Gründer und Ex-Chef des ehemaligen Telematikherstellers ComRoad einen Schaden von rund 70 Millionen Euro angerichtet.
Der Mann auf dem Bild, mit dem sich Bodo Schnabel als Chef einer neuen Firma im Internet präsentiert, wirkt vergnügt. Viel gelöster als früher. Die Sonnenbrille hängt lässig um den Hals, der Oberlippenbart ist ab. Aber sonst sieht er noch genauso aus, wie ihn etliche Anleger in Erinnerung hatten. Aus dem Jahr 2002, als Schnabel als Münchhausen des Neuen Marktes in die Geschichte der Finanzwelt einging.
Ein Mann umringt von Sensationen
Üble Sensationsberichterstattung warf er denen vor, die sich für ihn und seine Geschäfte genauer interessierten. Die seine Geschäftszahlen anzweifelten und immer kritischere Töne über Umsatzdaten oder Kooperationspartner von ComRoad verloren. Für die Sensation sorgte Bodo A. Schnabel aber am Ende selbst: Durch die Recherchen von BÖRSE ONLINE- Redakteurin Renate Daum flog auf, dass Schnabel die Zahlen und Umsätze seines Unternehmens frei erfunden hatte. Über Jahre hinweg.
Angeblich erzielte er mit Geschäftspartnern in Asien allein 19,9 Millionen Euro Umsatz. Das kam Zweiflern spanisch vor: Gab es Deals mit Partnern in dieser Höhe? Wer waren sie und wo saßen sie? Bei den Nachforschungen brach dann Bodos Kartenhaus in sich zusammen: Etwa die Hälfte der angeblichen Geschäftspartner wusste selbst nichts von einer Zusammenarbeit, stritt geschäftliche Beziehungen rundweg ab oder kannte noch nicht einmal den Namen ComRoad.
Fast der komplette Umsatz war erlogen
Die angegebenen Firmenadressen in Asien existierten zwar, nicht jedoch die Unternehmen, mit denen der Telematikhersteller dort Geschäfte machen wollte. Am Ende stellte das Gericht fest, dass die börsengelistete ComRoad AG seit 1998 hauptsächlich über Scheinzahlen und Scheingeschäfte berichtet hatte und dass fast der komplette Umsatz der Gesellschaft frei erfunden war. Schnabel hatte die kreative Buchführung neu entwickelt. Auch das versetzte dem Neuen Markt einen Stoß versetzt, von dem er sich nie wieder erholen sollte.
© 2008 boerse-online.de, © Bild: Oliver Schuck









Diesen Artikel bookmarken bei...