Samuel Israel - Hedgefonds Bayou
Ein Betrüger geht campen
Von Ilga FinkSamuel Israel, international gesuchter Wallstreet-Betrüger, sollte am 9. Juni 2008 eine Haftstrafe von zwanzig Jahren antreten. Der ehemalige Manager des Bayou-Fonds war 2005 verurteilt worden, da er seine Anleger um insgesamt 450 Millionen Dollar betrogen hatte. Die zwanzig Jahre Gefängnis zu denen er verurteilt wurden, waren zwar nicht die gesetzlich vorgesehene Höchststrafe, doch eine der längsten Strafen, die je für ein so genanntes „White-Collar-Crime“ in den USA verhängt wurde. WorldCom-Gründer Bernie Ebbers bekam im selben Jahr 25 Jahre Gefängnis aufgebrummt, der frühere Enron-Vorstandschef Jeffrey Skilling schaffte es im Mai 2006 auf 24 Jahre.
An dem Tag, an dem er seine Strafe antreten sollte, erschien Samuel Israel jedoch nicht im Gefängnis. Er hatte seinen dunkelroten Geländewagen auf der Bear Mountain Bridge geparkt, einer fast fünfzig Meter hohen Hängebrücke über den Hudson River im Bundesstaat New York. In den Staub auf der Motorhaube seines Autos hatte der Anlagebetrüger „suicide is painless“ zu Deutsch: Selbstmord ist schmerzlos. Einige Wochen vor diesem Ereignis hatte sich bereits ein anderer amerikanischer Hedgefonds-Manager, Kirk Wright, in seiner Gefängniszelle erhängt. Er war für schuldig befunden worden, seine Anleger betrogen zu haben, unter anderem einige ehemalige Profi-Football-Spieler. Israel hatte den Ort mit Bedacht gewählt. In den letzten zehn Jahren haben sich neun Personen durch einen Sprung von der Bear Mountain Bridge das Leben genommen. Deshalb patrouillieren dort speziell ausgebildete Polizisten. Die Brücke wird teilweise videoüberwacht. Doch niemand sah an diesem Tag einen Mann mit Halbglatze in den Tod stürzen, auch die Kameras nicht.
Campen statt baden
Nachdem keine Leiche gefunden werden konnte, begannen die Ermittler am Tod Israels zu zweifeln. Zudem handelte sich nicht um den ersten angeblichen Selbstmord im Zusammenhang mit diesem Betrugsfall. Bereits 2005 täuschte Daniel Marino, ein Partner Israels, seinen Tod vor, um seiner Bestrafung zu entgehen. Die Polizei rief eine internationale Fahndung aus und nahm die 45-jährige Lebensgefährtin Israels fest. Diese gestand nach zehntägigem Verhör, dass sie ihrem Geliebten bei der Flucht geholfen habe. Sie habe mit ihm zusammen ein Wohnmobil bepackt und den Camper dann auf einem nahen Rastplatz abgestellt. Später sei Israel alleine in seinem Geländewagen weggefahren. Der 49-jährige Anlagebetrüger, hatte sich also nicht das Leben genommen. Er war unter falschem Namen auf einem nur etwa 200 Kilometer entfernten Campingplatz abgestiegen. Alles, was er brauchte, kaufte er dort im Kiosk des Platzwartes. Doch es war nicht die Polizei, die Israel nach der Aussage seiner Lebensgefährtin aufstöberte, am Ende war seine Mutter die stärkste Verbündete der Fahnder.
© 2009 boerse-online.de, © Bild: Oliver Schuck









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