Societe Generale
Jérôme Kerviel Superstar
Von Markus HinterbergerBinnen zweier Wochen ist ein kleiner Aktienhändler der
Société Générale zu einem der berühmtesten Köpfe der Finanzwelt geworden. In seiner Branche sorgt er für Empörung, Frankreichs Jugend glorifiziert ihn als Rebellen. Wann sich die Hollywood meldet, scheint nur einer Frage der Zeit.
Wer den Namen Jérôme Kerviel googlet kommt zwar nicht auf ganz so viele Treffer wie er an Euros vernichtete hat, aber immerhin auf 490.000 Einträge. Damit hat der 31 Jahre alte Aktienhändler Frankreichs Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, den bis dato vielleicht bekanntesten Franzosen, weit überholt. Über Sarkozy findet die weltgrößte Suchmaschine gerade einmal 359.000 Einträge. Frankreichs Präsident brauchte Jahrzehnte und ein öffentliches Privatleben, um derart bekannt zu werden – Kerviel reichten anderthalb Wochen.
Auch auf der Beliebtheitsskala steigt der Mann, der der zweitgrößten Bank Frankreichs 4,9 Milliarden Euro Verluste eingebrockt hat, überraschenderweise immer höher. Vor allem Jugendliche nicht nur aus Frankreich haben in dem als introvertiert geltenden Aktienhändler einen Helden gefunden. Vergleiche zu Robin Hood oder Che Guevara machen die Runde. Ein amerikanischer Online-Versand bietet bereits Girlie-Tops mit Aufdrucken wie „Jérôme´s Girlfriend“ für 17,99 Dollar an.
Allein in der Internet-Kommune Facebook, in der Kerviel selbst Mitglied ist, gibt es inzwischen fünf mutmaßlich gefälschte Profile des neuen Stars. Über hundert Kerviel-Gruppen verzeichnet das Portal. Der Tenor dieser Foren: Kerviel ist nur ein Opfer, er sollte nicht bestraft werden, denn die wahren bösen Buben sitzen in den Chefetagen der Banken. Auch im studiVZ, der deutschen Facebook-Konkurrenz, gibt es inzwischen acht Kerviels und ein gutes Dutzend Gruppen. Der Tenor ist der gleiche. Da ist einer, der den Großen, sonst Unantastbaren ihre Schranken gewiesen hat.
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