AktienPower
Der gute Mensch von Zug
Von Ilga FinkMangelndes Selbstbewusstsein wird Alfredo Cuti so schnell keiner unterstellen. Der Schweizer zählt sich selbst zu den führenden Experten für Börsenstrategien und Börsenseminare in Europa. Über seine AktienPower Gesellschaften agiert er in der Schweiz, in Deutschland, Österreich und Italien. Dort bietet er seine nicht gerade billigen Börsenseminare an und brachte die Aktien seiner AktienPower AG zum stolzen Kurs von 125 Schweizer Franken auf den Markt. Börse Online berichtete bereits 2005, dass das Unternehmen mit rund vier Milliarden Schweizer Franken - immerhin das tausendfache des Umsatzes - stark überbewertet sei.
Seit Dezember 2007 ermittelt die Schweizer Eidgenössische Bankenkommission (EBK) wegen des Verdachts auf unbewilligten Aktienverkauf. Sie entschied, dass die bisherigen Verantwortlichen keine weiteren Entscheidungen für die Gesellschaften treffen dürfen. Stattdessen wurden Untersuchungsbeauftragte eingesetzt, die nun im Schweizer Teil des Firmennetzwerks um Alfredo Cuti die Geschäfte führen. Vom Erlös der Aktienemissionen in Höhe von mindestens 18 Millionen Euro, konnte die EBK bisher nur den Verbleib von 2,5 Millionen Euro ausmachen.
Möglicherweise in kluger Voraussicht, gründete Cuti im Oktober 2007 die deutschen AktienPower–Firmen. Eine dieser Gesellschaften, die AktienPower CFD Fonds GmbH & Co. KG, bietet ein Beteiligungsangebot an, das sich „globalino“ nennt und nach den Strategien der AktienPower AG gemanagt wird. „Durch dynamische Portfolioverwaltung“ soll es möglich sein, „bei steigenden als auch bei fallenden Kursen eine positive Rendite“ zu erwirtschaften. Das Management gibt sich derart optimistisch, dass mit einer jährlichen Nettorendite von 24 Prozent gerechnet wird. Diese wird laut Verkaufsprospekt quasi noch mit einer relativ sicheren Geldanlage erwirtschaftet. Da durch die besondere Anlagestrategie eine „stabile, von konjunkturellen Wirtschaftsschwankungen und der Entwicklung der Aktien- und Anleihemärkte unabhängige Rendite“ generiert werden könne. Indessen handelt es sich jedoch um eine hochriskante Blind-Pool-Beteiligung, deren Zeichnungsfrist eigentlich zum 31. Dezember 2007 enden sollte und nun bis zum 31. Dezember 2008 verlängert wurde.
Die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Mannheim wegen des Verdachts auf Betrug, Kapitalanlagebetrug und Verstoß gegen das Kreditwesengesetz fördern auch nicht gerade das Vertrauen in den selbsternannten Börsenguru. Auch wenn er laut Spiegel 6/2008 beteuert, kein Kapital veruntreut zu haben, sondern nur für die „Forschung und die europaweite Expansion“ eingesetzt zu haben. Daran ändert auch nichts, wenn er auf der Website seiner AktienPower Kinderhilfe GmbH propagiert, dass es wichtig sei, finanzielle Freiheit verantwortungsbewusst einzusetzen.
Was Alfredo Cuti als verantwortungsbewussten Kapitaleinsatz betrachtet, wird sich womöglich bald herausstellen.
© 2008 boerse-online.de









Diesen Artikel bookmarken bei...