Care Life Investment Trust
Kliniken im Nirgendwo
Von Markus HinterbergerEin Unternehmen aus Helmstadt bei Würzburg hat rund 700 Anleger um mindestens sieben Millionen Euro gebracht. Ein Investment in Pflegeeinrichtungen sollten satte Renditen bringen. Die Einrichtungen gab es aber nicht.
Unsere Gesellschaft altert immer stärker. Gesundheit und Pflege sind zwei Megatrends der Zukunft. Mit solchen Worten werden die Vermittler der Care-Life-Gruppe aus dem fränkischen Helmstadt ihren Kunden das Investment in Kliniken und Pflegeheime in den USA und hierzulande schmackhaft gemacht haben. Außerdem kann es auch ganz schön sein auf seine alten Tage in einem Heim gepflegt zu werden, das man selbst mit aufgebaut hat. Was die rund 700 Anleger nicht wussten: Die Einrichtungen, an denen sie sich mit Beträgen ab 2000 Euro beteiligen konnten, existierten größtenteils nur auf dem Papier.
Mehr als sieben Millionen Euro sind so verschwunden. Der Vorstand der Care-Life-Gruppe Roland Martin sowie Stefan Sebold, dessen HVS Treuhand Steuerberatungsgesellschaft nbH die Anlegergelder einsammelte, stehen in Würzburg vor Gericht. Beide müssen sich wegen Anlagebetrugs verantworten. Bei der Care Life Investment Trust II AG & Co. KG (Care Life Investment), dem Herzstück des Netzwerks, regiert der Insolvenzverwalter. Die anderen Firmen Martins sind zumindest offiziell nicht betroffen. Die Masche funktionierte denkbar einfach. Die Care Life Investment Trust entwickelte zwei Anlageprodukte, das CL Growth Lux und CL Growth S. Diese wurden von den Vermittlern der Provenum GmbH und der GK Finanz AG vermittelt. Das Geld floss zunächst an die HVS Treuhand und von dort an die Care Life Investment. Der Schwerpunkt des Vertriebs lag nach Ansicht von Heinz Steinhübel von der Kanzlei Dr. Steinhübel und von Buttlar im Umkreis von Heilbronn.
2006 verbot die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) der Care Life Investment das Einlagengeschäft und ordnete die Abwicklung an. Doch selbst nach dieser Schließung von Amtswegen arbeitete die Firma weiter. Grund genug für Anwalt Steinhübel ein schärferes und konsequenteres Vorgehen der Aufsichtsbehörde zu fordern.
Es gibt aber Hoffnung für die geprellten Anleger: „Eine Insolvenzquote von 30 Prozent ist möglich“, sagt Anlegeranwalt Steinhübel. Er verweist auf Immobilien in den USA, deren Verkaufserlöse den Anlegern zugutekommen könnten. Bis es soweit ist, werden laut Steinhübel aber Jahre vergehen. Der Stuttgarter Anwalt will auch gegen die Vermittler der Care-Life-Produkte vorgehen. Die Provenum und die GK Finanz AG hätten versucht, die Schuld für ihre Beratungsfehler an Care Life weiterzureichen. Den Anlegern wollten sie nahelegen, eine Klage gegen das Unternehmen aus Helmstadt anzustrengen.
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