Euro-Gruppe
Übung macht den Meister
Von Ilga FinkÜbung macht den Meister – das gilt auch für Franz Klaffenböck. Mit der „Würzburger Aktiengesellschaft“ (WAG) prellte er Anfang der 90er-Jahre 100.000 Privatanleger. Wenige Jahre später war er erneut daran beteiligt, als die Euro-Gruppe, ebenfalls aus Würzburg, 40.000 Kleinanleger über den Tisch zog.
Die Firmen der Euro-Gruppe aus Würzburg tauchten bereits 1998 auf den Warnlisten von Verbraucherschützern und Anlegermagazinen auf. Trotzdem gelang es den Gesellschaften, Investitionen beziehungsweise Investitionsverpflichtungen in Höhe von rund 800 Millionen Euro einzuwerben. Bis 2005, dem Zeitpunkt ihrer kollektiven Insolvenz, hatten rund 40.000 Kleinanleger bereits 100 Millionen Euro eingezahlt.
Damit übertraf Klaffenböck sogar den Erfolg seiner WAG. In den Neunzigern hatten er und seine Hintermänner vorwiegend Anleger aus den neuen Bundesländern um 75 Millionen Euro gebracht. Klaffenböck musste dafür eine mehrjährige Haftstrafe verbüßen. Dies hielt ihn jedoch nicht davon ab, zusammen mit Jürgen Spilker die Euro-Gruppe aufzubauen. Nach zahlreichen Firmenneugründungen umfasste sie bei ihrem Zusammenbruch vierzehn Gesellschaften.
Dubiose Geschäftspraktiken
Eines dieser Unternehmen war die AVB Allgemeine Anlagenvermittlungs- und Verwaltungsgesellschaft mbH, die weniger allgemein erhältliche, sondern vielmehr hauseigene Anlagen vertrieb. Um den Kleinanlegern Beteiligungen an Unternehmen der Euro-Gruppe zu verkaufen, wandten die Vermittler höchst dubiose Geschäftspraktiken an. Zuerst versuchten sie, Verbraucher durch unzulässige Cold-Calls (Kaltanrufe) zu einem Gesprächstermin zu überreden. Gelang ihnen dies, ließen sie sich bei Abschluss der Verträge von ihren Kunden Vollmachten ausstellen. Diese ermöglichten es ihnen, die sicheren Versicherungsverträge der Kunden, wie beispielsweise Lebensversicherungen und Bausparverträge, zu kündigen. Die Rückkaufswerte dieser Versicherungen reinvestierten die Vermittler dann in die als Blind-Pool konstruierten riskanten atypischen Beteiligungsverträge. Das heißt, dass die Anleger zum Zeitpunkt ihrer Investition keinerlei Wissen darüber hatten, für welche Art von Projekten ihre Einlagen verwendet wurden. Oft gingen sie sogar davon aus, sichere Renditen aus diesen Beteiligungen zu erhalten, wie es ihnen die Anlageberater versprachen.
Zudem verschwiegen die Vermittler den Anlegern, dass die vorzeitigen Kündigungen von Versicherungen zumeist mit Verlusten sie verbunden waren. Doch damit nicht genug. Durch den Erwerb der atypischen stillen Beteiligungen wurden die Anleger automatisch zu atypischen stillen Gesellschaftern der Firmen der Euro-Gruppe. Damit verpflichteten sie sich unwissentlich, mögliche Verluste mitzutragen.
Als die Akquisition von Anlegern zunehmend schwieriger wurde, wandten sich die „Berater“ ab 2004 auch an Geringverdiener, Spätaussiedler und Ausländer, um ihnen langjährige Beteiligungen aufzuschwatzen. Für diesen Anlegerkreis eigneten sich die Beteiligungen jedoch erst recht nicht. Denn für sie wären selbst theoretisch mögliche Steuervorteile aufgrund der geringen Einkommen kaum zum Tragen kommen.
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