Tarquinia und W+S Zweite
Aus gleichem Holz geschnitzt
Zwei Beteiligungsgesellschaften werben mit verwirrenden Angaben zur Rendite für ihre risikoreichen Aktien. Die Angebote der Tarquinia Beteiligungen AG aus Düsseldorf und der W+S Zweite Beteiligungs AG aus Dinslaken ähneln sich in vielen Details. Beide bieten ihre nicht börsennotierten Aktien zur Zeichnung an. Beide erwerben Anteile und gewähren Darlehen an Unternehmen, die sehr jung oder neu in ihrem Geschäftsfeld sind. Sogar die Branchen überschneiden sich zum Teil.
Vorgesehen sind derzeit Investments in je vier Projektgesellschaften. Das ist sehr wenig. Platzt nur eine davon, würde das Ergebnis empfindlich leiden. Nur ein Fehlschlag wäre aber ein grandioses Resultat, denn viele neue Geschäftsmodelle scheitern. Die Begleitung von Gründern zählt zu den anspruchsvollsten Geschäften von Private-Equity-Häusern.
In den Verkaufsprospekten beider Beteiligungsgesellschaften sind aber keine einschlägigen Erfahrungen der Vorstände auf diesem Gebiet aufgeführt. Das lässt die Prognosen sehr optimistisch wirken.
Zudem sind die Angaben verwirrend. Tarquinia beziffert die erwartete durchschnittliche Dividende bis 2011 auf bis zu 18,89 Prozent pro Jahr, bei W+S Zweite sind es gar 42,31 Prozent. Sie beziehen die optisch beeindruckende Zahl jeweils auf das Nominalkapital. Das ist unüblich und wenig aussagekräftig, denn Anleger müssen ein Vielfaches des rechnerischen Nominalwerts für eine Aktie zahlen. Zu erfüllen sind die Prognosen ohnehin kaum. Tarquinia räumt ein, dass der Produktionsbeginn für Kleinkläranlagen auf das vierte Quartal verschoben wurde, die Gründung einer Projektgesellschaft für den Energieholzbau sei gar bis Jahresende zurückgestellt. W+S Zweite teilt mit, die für das zweite Quartal angekündigte Eröffnung eines Internet-Shops für Nano- Produkte stehe noch aus.

Wolfgang D. Lechner war Vorstand und bis November 2006 Aufsichtsratschef der ISS Immobilien Schutz und Service, Mönchengladbach, die Anleihen vertrieb. ISS wurde auf die Warnliste des Deutschen Instituts für Anlegerschutz aufgenommen. Im Anlegerkreis war nun von verzögerten Zinszahlungen die Rede. ISS räumt auf Nachfrage ein, dass es in Einzelfällen Verzögerungen von bis zu zwei Wochen gab.
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