Abzockmethoden
Nigeria-Connection
Wenn Ihre Tochter Ihnen erzählt, dass sie mal den Sänger Bill der Band Tokio Hotel heiraten wird, dann lächeln Sie über die jugendlichen Flausen. Schließlich kommt die junge Dame niemals näher als fünf Meter an ihr Idol heran. Genauso abstrus ist es natürlich, dass der Sohn des von Aufständischen getöteten Diktators Dr. Ballaballa aus Dingedidong gerade Ihre Hilfe braucht, um an seine Millionen zu kommen, wie er in seiner Mail an Sie schreibt. Sie werden natürlich fürstlich für Ihre Hilfestellung belohnt.
Die Geschichten wechseln, die angeblichen und echten Absender auch. Sie stammen keineswegs immer aus Afrika. Der Inhalt ist aber stets gleich: Eine großzügige Entschädigung wird für eine relativ kleine Handreichung geboten. Wer darauf eingeht, muss nur eine kleine Zahlung vorab leisten, um Bestechungsgelder, Gebühren oder irgendetwas anderes zu begleichen. Dann ist noch ein kleiner Betrag nötig, und noch einer, und ein allerletzter, und ein allerallerletzter vor Auszahlung der Millionen, auf die das Opfer vergebens wartet.
Wer gierig nach den Millionen ist, aber der Sache nicht ganz traut, bekommt zur Not ein richtiges Schauspiel geboten, mit dem ihm seine „Geschäftspartner“ davon überzeugen, dass alles mit rechten Dingen zugeht.
Die Masche ist so simpel wie effektiv: Martin Kwauka und Klaus Grubelnik berichten in ihrem Buch „Gauner, Haie, Dilettanten“ von einem Fall, bei dem die Polizei die Opfer persönlich vor den Tätern und ihrer Masche warnten. Es nutzte nichts. Die Geschädigten glaubten lieber ihren afrikanischen „Geschäftsfreunden“ und verloren ihr Geld.
Nigerianer haben die Masche nicht erfunden, aber als erste die Massenproduktion solcher Briefe, Faxe, Mails aufgenommen. Betrugsbekämpfer machen sich einen Spaß daraus, auf solche Angebote zum Schein einzugehen und die Abzocker in eine Konversation zu verwickeln, um ihnen Zeit zu rauben. Ihre Geschichten sind zum Teil mindestens ebenso abstrus wie die Betrüger.
Brillante Beispiele hat Eve Edelson in ihrem Buch „Scamorama“ und auf der gleichnamigen Webseite gesammelt. Das ist freilich nur etwas für Leute mit starken Nerven. Empfehlenswerter ist es, die Schreiben zuerst an graumarktinfo.de weiterzuleiten und dann zu löschen. Wer auf die Masche hereingefallen ist, betrachtet den verlorenen Betrag am besten als Lehrgeld. Den Versuch, vor Ort Geld zurückzuholen, bezahlten schon einige Opfer mit dem Leben.
Links zum Thema: » Webtipps - Nigeria-Connection
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