Abzockmethoden
Schneeballsysteme
Schneeballsystem, Pyramidenspiel, Systemspiel, Kettenbrief. Unter diesen Namen verbirgt sich immer wieder das gleiche System. Ausschüttungen werden nicht oder nur zum Teil aus einer ordentlichen Geschäftstätigkeit erwirtschaftet, sondern aus Einzahlungen neuer Anleger gespeist. Manchmal ist das für die Teilnehmer ganz einfach erkennbar, etwa wenn sie selbst Neueinsteiger anwerben sollen, die wiederum angehalten werden, Anleger zu rekrutieren. Manchmal tun die Unternehmen dagegen alles, damit ihre Investoren möglichst lange nicht bemerken, dass die Traumrenditen gar nicht echt erzielt werden.
Das bekannteste Schneeballsystem in Deutschland war der European Kings Club (EKC). Die Initiatoren versprachen den Geldgebern rund 71 Prozent Ertrag pro Jahr. Investoren, die nach einer Erklärung für die satten Renditen fragten, wurden auf die "nichtlineare Dynamik" oder andere pseudowissenschaftliche Begriffe verwiesen. Geschickt geschulte Verkäufer versuchten so, Bedenken zu zerstreuen. Es dauert manchmal Jahre, bis geschickt getarnte Schneeballsysteme zusammenbrechen.
Pyramidenspiele sind sittenwidrig. Dies entschied der Bundesgerichtshof (BGH) in einem Urteil (XI ZR 191/96). In seiner Begründung verwies der BGH darauf, daß bei derartigen Spielen bereits von vornherein feststehe, daß irgendwann nicht mehr genügend neue Einzahlungen kämen, um die Auszahlungen zu leisten. Schneeballsysteme seien daher nichtig. Anleger, die ihr Geld bei derartigen Anbietern verlieren, haben Anspruch auf Rückzahlung des eingesetzten Betrages. Bereits ausgeschüttete Gewinne werden allerdings abgezogen. Außerdem müssen die Scheinrenditen versteuert werden. Da die fiktiven Renditen aus Schneeballsystemen sehr schnell extrem hoch werden können und in der Regel nicht versteuert wurden, kommt es vor, daß über Mitspieler Freiheitsstrafen wegen Steuerhinterziehung verhängt werden.
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